692 n. Die Geschichte
Dienst des wahren und einzigen Gottes. Man hatsich begnüget, sein Gebeth an die wohlthätige Sonnebey ihrem Aufgange zu richten, in den längsten Ta-gen ein Freudenfest zu feyern, und den neuen Mondmit Freudengeschrey und einigen Opfern zu bewill-kommen. Ich kannte dieses alles mit eben so star-ken Gründe^ beweisen, als vorerwähnter Engellän-der die patriarchalische Religion vorgestellet hat;und es geschieht nur, um meinen Lesern gefällig zuwerden, und ihre Erwartung auf meine Geschichtenicht länger aufzuhalten, daß ich es vorißo unterlasse.
Eine solche Beschaffenheit hatte es mit der erstenAbgötterey, als das babylonische Reich entstand.Allein die ersten babylonischen Monarchen und ihreMinisters, oder wie es damals hieß, ihre Freunde,sahen gar bald ein, daß diese einfältige und unge-künstelte Religion mit der Verfassung eines StaatSnicht gar wohl übcremstimmete. Es entstandenStädte und Gewerbe. Die Unterthanen mußtenarbeiten und der wenigste Theil konnte mit halbemMüßiggänge durch die bequeme Viehzucht seinenUnterhalt finden, als es ehedem geschahe. Manurtheilete also sehr weislich, daß die Unterthanenzuweilen eine Erholung und ErgöHung nach ihrerschweren Arbeit nöthig hätten, und daß es den Göt-tern nicht misfallen würde, wenn man gewisse mitFeyerlichkeiten verknüpfte Tage besonders zu ihremDienste widmete. Man verordnete demnach, daß derGöttinn Beltha oder der Venus, die man nachSonne und Mond als das größte und lieblichsteGestirn erkannte, der zweyte Tag eines jeden Mo-