des Thamus. 697
man glaubte, daß man von einem Manne alles er-langen könnte, der in seinem leben bereits einer sobesondern Kenntniß und vertrauten Umganges derGestirne gewürdiget worden wäre. Es ist wahr,den vernünftigen Babyloniern wollte diese angemaß-te Vergötterung des Beluö nicht recht gefallen.Das Andenken, daß er ein Mensch gewesen war,war noch allzu neu. Der Staat hatte auch seineVergötterung noch nicht gesetzlich vorgeschrieben.Dieses that erst Semiramis hundert Jahre her-nach , indem sie dem Belus einen prächtigen Tem-pel bauete, auf welchem zugleich die Gestirne beob-achtet wurden, wie Herodot, JustinuS und anderesehr alte Geschichtschreiber erzählen. Allein dieseshinderte nicht, daß nicht Belus in den Augen desgrößten Theiles des Volkes alle Eigenschaften hatte,die man den Gottheiten beyzumessen gewohnt war.Der Pöbel hat sich zu allen Zeiten das Recht ange-maßet, große und kleine Götter zu machen; und dieVernünftigen haben nicht eher eingestimmt, bis siedurch die Vorurtheile der Erziehung und der allge-meinen Gewohnheit übertäubet worden sind; dadenn der Staat mit seinem Ansehen hinzugetretenist. In einer solchen Beschaffenheit der Zeitenwurde Thamus geboren; und sie haben in seinLeben einen allzustarken Einfluß gehabt, als daßwir diesen Umstand hätten mit Stillschweigen über-gehen können.
' Thamus war von der Natur mit großen Gabenversehen. Er hatte viel Verstand und Urtheilungs-kraft; und seine Seele war sehr reich an (Asindun-" ' Xr 4 * gen.