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Leonard Meisters Characteristik deutscher Dichter : nach der Zeitordnung gereyhet / mit Bildnissen von Heinrich Pfenninger
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immer eben dasselbe, immer versinnlichte Mannig«faltigkeit in Einklang. Lebhaft empfindet, undrichtig prüft es Geßner, wo. und wie es sich im-mer ihm darbeut, es sey nun im Concert oderGemählde, in einem Gebäude oder im Garten.Für einen Mann von so feinem und Won fo wenigausfchliessendcn Geschmacke ist die ganze Natur un-erschöpflich an Quellen des reinsten Vergnügens.Vorzüglich gilt auch von ihm, wäs man öfters be-merkt , daß nichts so sehr den Geschmack am Gu-ten veredle, als der Geschmack an dem Schönen.In jedem' moralischen Verhältnisse, als Mensch,als Freund , als Gatte und Vater erscheint er indem liebenswürdigsten Lichte. Wenn man sonstbehauptet, daß durch den Gott Hymen so mcui-cher Virtuose aus den Chören der Musen wegge-lockt werde, so kann unsers Dichters Beyspiel zurAusnahme dienen. In seinem Schwiegervater,Heinrich Heidegger, Mitgliede des täglichen Ra-thes in Zürich, fand er einen Freund, der dieKünste ehrte und kannte, und der einen Schatzvon Gemählden und Handzcichnungen besaß. Inseiner Gemahlin sah er mit der edelsten Bildungden gefälligsten und belebtesten Umgang vereinigt.Sie wars, die ihn zu seinen Meisterstücken begei-sterte, und zu den glücklichsten Erfindungen führte.Was sonst wol selten ein Poet iN seiner Gattinnvereint sieht, sieht er in der sinnigen, zugleich die.B b