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mit scheinbarer Kälte, wohin ihre Reise ginge. Das Weib antworteteihm, sie hätten, nachdem von der Polizei von Saldanha einer ihrer blu-tigen Clubbs entdeckt worden, mit vieler Noth, indem sie aus denFenstern ihrer Wohnung in ein Gebüsch sprangen, sich gerettet, und seiendann vermummt und wohl verkleidet aus einem Schiffe nach Fernambucoentkommen; von dort seien sie jetzt nach Quito unter Segel, um Boliviagegen seinen allzu bigotten Präsidenten in Bewegung zu setzen. Daschrie Lionello ihm zu: „Kennst Du mich, höllischer Drache?" Das ver-schmitzte Weib antwortete mit der freundlichsten und einschmeichelndstenMiene: „Ich kenne den größten und hochherzigsten Capital! des Oceans!"Lionello wandte sich dann mit wildem Blicke an den Anderen und thatdieselbe Frage. Dieser verlor die Fassung und konnte keinWort hervorbringen.
„Gut," schrie Lionello aus's Neue mit fürchterlich losbrechendem In-grimm, „ich bin Lionello." Das Weib war wie versteinert. Lionelloließ nun die kostbaren Gegenstände des gekaperten Schiffes auf seinenSchooner überladen, dann die Crevlin und ihren Gefährten in Kettenlegen und ebenfalls auf sein Fahrzeug bringen. Nachdem er sofort dieBrigantine in Brand gesteckt, bog er um die Insel und ging in einerBucht vor Anker. Den Morgen daraus ließ er das Boot aussetzen,schleppte die Crevlin und ihren Gefährten hinein, setzte sich selbst an'sSteuer und fuhr aus der Bucht in's Freie an eine Stelle, wo ein Felsen-riff in's Meer hineinragte.
Hier wandte er sich höhnisch zu dem gottlosen Weibe und sagte:„Blutgieriges Weib, erhebe die Augen! Siehst Du den Felsen hier? Duschlachtetest die Unschuldigen in dem geheinmißvollen Dunkel Deiner ver-g oldeten Höhlen, Du selbst aber sollst hier sterben — Angesichts des großenOceans, der zu Deinen Füßen schäumt, unter den Augen der Sonne, diezornig auf Dich blickt, und vor mir, den Du den treuesten und bestender Freunde hast morden lassen." Bei diesen Worten springt das Weibauf, wirst sich gebunden wie es ist, Lionello zu Füßen, weint und fleht,beschwört und betheuert: daß Alfred, weil flüchtig von der Gesellschaft,die es als Gesetz ausstellt, die Verräther zu tödten, das Leben verwirkthabe; daß er von ihm gemordet worden, sei rein aus Zufall geschehen, undNiemand hätte geahnt, daß er sein Freund gewesen. „Schweig, Ver-fluchte I" schrie Lionello und schleuderte das Weib mit einem Fußtritt von sich.Hierauf befahl er vier Matrosen, einen Pfahl, der im Boote lag, aufden Felsen zu tragen und ihn auf der Spitze aufzupflanzen. Nachdemdieses geschehen war, ließ er vor seinen Augen die Crevlin und hinterihr deren Genossen an das Holz binden.