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zu sehen bekam. Von da nimmt Lionello, beständig an der Seite Gari-bakdi's, Theil an allen Kämpfen und Fehden, die dieser an der Spitzeeiner kleinen Schaar Italiener im Solde der Republik Montevideogegen Rosas und den General Oribe bestand.. Ueberall erscheint Garibaldials der kühne Häuptling, der nicht allein durch seinen kecken Muth,sondern auch durch seinen wunderbar scharfen schnellen Blick, womit eroft alle seine Gegner täuscht. Jedermann in Erstaunen setzt.
Unterdessen, erzählt Lionello selbst weiter, flog der Freiheitsruf Ita-liens auf den Schwingen der Winde über das atlantische Meer, und liehsich wie ein milder Thau und ein köstlicher Wohlgeruch nieder in dieamerikanischen Häfen, eingeathmet von allen Verbannten mit der Lusteines Menschen, der, nachdem er lange Zeit in dem untersten Raume einesSchiffes eingeschlossen gewesen, auf einmal wieder auf's Verdeck steigt unddie Brust erweitert und die kühlen Lüftchen einathmet, die zwischen denTauen flüstern und die Segel schwellen. In jenen Tagen sah Garibaldi,der sonst irymer einsilbig, schweigsam und streng gewesen, so heiter umsich, seine breite Stirne hatte sich geglättet, auf den Lippen spielte ihmein Lächeln, und in allen seinen Zügen eine Freude und eine Seligkeit,die wir alle theilten. Manchmal, wenn ich mit ihm an der Brüstungseines Schiffes stand, sah er mich plötzlich fest an und klopfte mir auf dieSchulter und sagte: „Lionello, fühlst Du nicht den Hauch der Freiheitvon Italien kommen, der uns belebt? fühlst Du ihn? Ich schlürfe ihnin vollen Zügen."
Inzwischen schneite es Briefe von den Brüdern ans den Häfen vonNizza, Genua, Livorno und Neapel. Die Piemontesen, die in Frankreichin Verbannung gewesen, waren bereits nach Turin zurück und bliesen in'sglühende Herz Carl Alberts. Die Verschwornen von Rom schritten wohlgemuthdem Capitale zu; Mazzini spie Feuer und Flammen bei jedem Satze;er schrieb: „Garibaldi! Diese tölpischen Constitutionellen klecksen schonrüstig Constitutionen L In Pariser zusammen, wobei Einer den Anderencopirt, wie die Näherinen auf dem Lande die städtischen Moden. DieGimpel! Sie wollen Freiheit und Königthum, Freiheit und Kirche zu-sammenhaben. Die Freiheit ist eine; sie ist Gott in sich selbst. Garibaldi!Du allein kannst mich verstehen. Komm und foppe Liese Tölpel."
Garibaldi säumt nicht. Er weiß, daß Mazzini Rom will; daß, solange das Kreuz nicht der rothen Mütze über dem Vatikane weicht, Italienniemals „frei" sein wird. Mazzini weist ihn nach dem Capitol; erprunkt mit hochtönenden Worten von römischer Tapferkeit, von alteinRuhm, von Latinermuth; das Alles aber nur, um den Pinseln Sand in