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Blicke in die römische Republik : oder Die freiwillig Verbannten und Lionello : Fortsetzung des "Juden von Verona" / Antonio Bresciani ; Nach der Civiltà cattolica deutsch bearbeitet
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«i und die Ueberfahrt bestreiten. Zum Behufe derselben miethete er das

SchiffEsperanza", und setzte im Vertrage ausdrücklich fest, daß es unterrothweißgrüner italienischer Flagge segeln sollte, als Zeichen des nunmehr^ freien Vaterlandes, welches das Recht hat, die glorreichen Farben seiner

Auferstehung in den Lüften flattern zu lassen.

^ Nachdem alle Vorbereitungen getroffen, und alle Hindernisse glücklich

^ beseitigt waren, wurde der Tag der Abreise festgesetzt. Wir zogen, be-

!>!» gleitet von den zurückbleibenden Freunden in der freudigsten Stimmung

>ß nach dem Hafen und bestiegen das mit den Flaggen aller Nationen, mit

liz Ausnahme der österreichischen, festlich geschmückte Schiff. In dem Augen-

la» blicke, wo die Anker gelichtet wurden, erscholl ein mächtiger Ruf der Ber-it« bannten, welche aus Mangel an Geld oder wegen irgend eines anderen

n« Grundes nicht mit uns fortkonnten, und -klang uns wehmüthig nach.

im Gin Schwenken von Tüchern, ein Zuwinken und Händeklatschen, ein

nr Grüßen und Rufen und Abschiednehmen folgte jetzt, das uns alle tief

M bewegte. Wir alle, gegen Montevideo gewendet, grüßten zum letzten

»lii Male die Freunde und fort waren wir und bald aus ihren Augen. Es

>i, war in den ersten Tagen des April 1848.

Die Fahrt war günstig bis Porto allegro, wo Windstille eintrat undM uns an die Stelle sozusagen festnagelte. Garibaldi verzehrte in dieser

N trübseligen Lage eine unsägliche, quälende Ungeduld. Wie oft, wenn wir des

Abends zusammen auf vem Verdecke standen und sehnsüchtig und sprach-z, los nach unserm Italien blickten, sagte er mir:Lionello! ich fürchte, wir

tz kommen zu spät zum heiligen Kampfe; die Italiener sind dort, dort auf

den lombardischen Gefilden, und uns weht kein Lüftchen, um uns mitM ihnen vereinigen zu können." Dann rieb er sich die Stirne, wie Einer,den ein großer Gedanke beschäftigt und rief:Lionello! wenn wir die2 , italienische Freiheit schon gegründet finden, so wird unser Arm sie

W befestigen."

Um der Langeweile dieser Windstille zu entgehen, war es auch, daßich diese Denkwürdigkeiten niederzuschreiben begonnen habe. Die meiste Zeiteinsam in meinem Kämmerlein, gequält von dem nagenden Wurme meiner.x Gewissensbisse, gemartert von dem Grame über so viele verlorene Jahre,

. ß über so viele durchgebrachte Reichthümer, über so vielen Verrath falscher

z, Freunde, immer im Widersprüche mit mir selbst, sinne ich in der Bitter-

b« keit meines Herzens über die traurigen Erinnerungen meines Lebens nach.

So oft ich dann wieder einige Blätter nachlese, fühle ich, daß sich mir^ die Haare sträuben, indem ich erwäge, daß ich die Tugend gekannt habe,ms um sie mit Füßen zu treten; daß ich edelmüthige Gesinnungen im Herzen