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gehabt, die ich erstickt habe; daß ich entsprossen war von so edlem Blute,
und es entehrt habe — durch so viele Gemeinheiten, befleckt durch so viele ' .
Verbrechen, erniedrigt in so elender Trägheit. ^
O Josephine! lebst Du noch? ach! wenn Du noch lebst, so kannst ""Du nicht an mich denken, ohne Dich zu schämen, daß Du mich zumBruder hast. Vielleicht nennst Du mich nie den Freunden und Ver-wandten, denen ich ein fluchwürdiger Verschwörer bin: Deinen Kindernverbirgst Du mit Recht die Schande, einen Abenteurer und Corsarenzum Onkel zu haben. Wenn Du am väterlichen Palaste vorbeigehst, der ,
vielleicht in die Hände irgend eines Juden gefallen ist, so senkst Du die . ^
Augen, und wagst es nicht, nach dem verkratzten Familienwappen zu ^
blicken, und nach den Fenstern, die bei unserer Geburt uns die erste ^
Sonne zeigten, und den ersten Lebensodem einathmen ließen. Josephine! ^
ich komme nach Italien, und vielleicht werde ich Dich nicht sehen können,und wenn ich auch könnte, mit welchem Herzen würde ich vor Dir er-scheinen? !
Italienische Jünglinge! Wenn je einmal diese Denkwürdigkeiten in Ea
euere Hände gelangen, so mögen sie für euch eine Schule sein, um die M
Schmeicheleien, die Nachstellungen, die Verführungen der falschen Freunde ^
oder besser der mörderischen Räuber all eures Glückes zu fliehen. Ichschreibe meine Verirrungen jenen Ursachen zu, welche die großen Herrenin's Verderben zu ziehen pflegen: vor Allem der Grausamkeit, uns keine ^öffentliche Erziehung zu geben, die uns in ernsten Studien beschäftigte,die menschlichen Leidenschaften uns praktisch kennen und bändigen lehrte, ^!
uns dem scheuen und feigen Leben der Frauengemächer entzöge, uns edle E
und starke Gedanken in's Herz flößt, und uns in den Stand setzte, nicht »»
Sclaven des Pöbels zu werden, der unsere Unwissenheit und Feigheit lMl!
beherrscht.
Wer du auch seist, der du mich liesest, bedauere mich in deinem gutenHerzen, bemitleide mein Elend, lasse zum Uebermaße deines milden Bei- ^
leidS eine Thräne auf mein Grab fallen. Ich fühle einen erdrückenden «
Lebensüberdruß in mir, und habe nicht mehr die Religion, die mich stär-ken könnte, noch die Hoffnung frommer Seelen, die dulden, aber wissen, W
daß nach diesem Leben eine unaussprechliche, ewige Freude ihrer harrt. As
Die geheimen Gesellschaften haben die guten und glücklichen Anlagen §
meines Herzens vergiftet: die höllischen Schwüre haben es grausam, die i«
gotteslästerischen-Gebräuche gottlos und wild, die Laster abscheulich ge- >>!l
macht; die innern Gewissensbisse zerfleischen und erschrecken es und brin-gen es zur Verzweiflung. Unter so vielen düsteren Gedanken scheint Äü