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Die Tageszeiten : ein Gedicht in vier Büchern / von Friedrich Wilhelm Zachariä
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Der Morgen.

Zitternd verschwinden die Sterne; der helle Bote des MorgensLuzifer stralet allein durch die lazurenen Ebnen.

Von dem Gefolge der Nacht entwischen indessen die Träume .Gaukelnd zurück; und schwärmen mit bunten flatternden FlügelnUeber den Häuptern der Menschen herum in zahllosen Schaaren.Denn, indem der Morgen den sanftesten Schlummer verstreuet,Fühlt die leichtere Seele den freyen mittleren Zustand,

Und die flüchtige Phantasie bemustert sich ihrer.

Freyer seht sie den Fedcrbusch auf; die goldenen LockenWallen, mit Blumen gekränzt, in die Luft; ihr Kleid ist besäetMit viel schimmernden Flittern, und tausend abwechselnden Farben.Wild, und plötzlich schießt sie umher. Bald steiget ihr FittigIn die Felder des Aschers; bald'stürzt sie von Felsen herunter,

Und arbeitet durch brüllende Wellen zu fernen Gestaden.

Jtzo spatziert sie entzückt in hellen bezauberten Wiesen;

Hört Sirenische Stimmen, und speiset in Schlößern der Feyeir;Oder sie bebt durch schreckliche Wüsten, und alte Gemäuer;

Und geht unter den Gräbern herum , in Trauer verschleyert;

Bis auf einmal ein jedes leichtes Geräusch sie verstärkt,

Und vor erwachenden Augm die leichten Phantomen verschwinden.

Nach und nach enthüllet sich nun die dämmernde Gegend,Waldichte Hügel erheben ihr Haupt; in blauer SchattirungSchwillt schon der Rücken der Berge zusehends dem reisenden Auge.Dunkelglänzend rollen die Ströme die gleisenden Wellen

Az

Durch