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Der Morgen.
Nun ist der Vorhang gefallen ! die ganze schimmernde SceneFunkelt den Blicken entgegen, und trinket leuchtende StrömeVon dem segnenden Lichte, das über die Felder dahinwallt.
Alles lächelt auf einmal, von trunkner Freude verschönert;
Jedes Kraut erhebet sein Haupt mit blitzenden Perlen;
Alles, was Stimmen hat, feyret die Ankunft der Sonne mit Stimmen;
' Die gestimmte Natur scheint in Musik aufgelöset;
Und ein dampfender Nebel steigt, wie ein heiliger Weihrauch,
Von dem Altar der Erde, zum Morgenopfer der Sonne.
Prächtigstes Schauspiel,wer kan dich beschreiben ? Wer tauchet den PinselIn die Farben der Morgenröthe, dich würdig zu mahlen?
Traurig harrte die bange Natur in leblosem Schauer;
Aller ihr herrlichster Schmuck war von den Schatten verschlungen.
Wie ein mächtiger Tod, lag mit verbreiteten SchwingenDie erkältende Nacht weit über den starrenden Erdkreis.
Aber auf einmal scheuchet die triumphirende Sonne
Schatten, und Schauer, nnd Schlaf, zum Niedergänge zurücke.
Ihre wohlthätige Wärme gießt sich durch alle Geschöpfe,
Und der Puls der Natur fängt an von neuem zu schlagen.
O! wie war es Wunder, daß Menschen dich göttlich verehrten,
Gütige Sonne, wenn sie dem ersten Eindrucke folgten!
Und vergebt es dem Heiden, daß er die Sonn angebetet,
Denn sie nicht anzubeten, war ihm zum Verbrechen geworden. (*)
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