Buch 
Die Tageszeiten : ein Gedicht in vier Büchern / von Friedrich Wilhelm Zachariä
JPEG-Download
 

76 Der Abend.

Eine Landscene, welche das Auge niemals ermüdet.

Liebst du auch etwan einsame Stille; so steige herunterIn das melancholische Thal, wo Hangende FelsenUeber den hellen Teich sich neigen; und silberne Eschen^

In der Tiefe sich spiegeln, und mit den Schatten auch rauschen.

Eine sichere Zuflucht vor aller städtischen Unruh,

Und ein reizender Lustgang für ernste stille Gemüther,

Welche die Einöde lieben, und gern in ruhigem TkefsinnMit sich selbst Unterredungen halten von Großmuth und Tugend;Wenn nicht etwan ein weiser Gesang von göttlichen DichternIhren Geschmack beschäftigt, und sie in süsser EntzückungEngelsstimmen vernehmen, die ihre Geister erheben.

Diesen einsamen Ort liebt auch der traurige Jüngling,

Welcher sein Mädchen beweint, vom frühen Tod ihm entrissen.

Die romantische Gegend, die tiefe schauernde Stille,

Ladet ihn mitleidig ein, und schmeichelt seiner Betrübniß.

Er sieht vor sich die Todtenurne der theuren Geliebten.

Hänget über ihr lange mit bittern stürmischen Thränen;

Hört auch wohl noch entzückt die süsse harmonische Stimme;

Oder sieht gar ihre holde Gestalt ihm lächelnd vorbeygehn;

Bis die Traume verfliegen, und seine Vernunft sich erhellet.

Und doch ist er glücklicher noch, als jener Verlaßue,

Der noch mehr, als den Tod der Untreu, des Mädchens beweinet.Sein gefoltertes Herz scheint in der einöden WüsteEinige Ruhe zu finden; ihm sind die Hangenden Felstn,

Und