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Die Schweizer im Dienste der holländisch- ostindischen Compagnie / Adolf Bürkli. Chronologische Aufzählung der für die schweizerische Artillerie wichtigeren Momente (1862-1875) / Hermann Bleuler
Entstehung
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m. Aas Aegirrrent Meuron. °)

Als bei Anlaß des nardamcrikanischen Freiheitskampfes der Krieg zwischen England und Frankreich ausge-brochcn war, konnte sich Holland, wie wir gesehen haben, durch seine Erklärung bewaffneter Neutralität an der

Seite der nordischen Mächte dem Kriege nicht entziehen, wurde vielmehr in brutaler Weise von England über-

fallen und mußte sich wohl oder übel zum engen Anschlüsse an Frankreich herbeilassen. Dem Mutterlande indieser Richtung zuvorkommend, schloß die hollnndisch-ostindische Compagnie, um ihre Colonicn zu schützen, im Sommer1781 den bereits erwähnten Vertrag mit Frankreich ab. Diesem Vertrage zufolge sollte aus Kosten der Compagnievon Frankreich aus sofort ein besonderes Fremdenregiment geworben und auf französischen Schiffen nach den

ostindischen Colonien gebracht werden. Der Oberst von Meuron wurde mit der Werbung und mit dem Commando

dieses Regimentes beauftragt.

Carl Daniel von Meuron, im Jahre 1738 von vornehmen Eltern in Neuchatcl geboren und vonJugend auf zum Militärdienste bestimmt, trat frühe schon in französischen Dienst. Bis 1763 stand er in demSchweizer-Regimente von Karrer, von da an bis 1781 bei den Schweizer-Garden. Ueber seine Schicksalewährend dieser Zeit fehlen genauere Berichte, man weiß nur so viel, daß er bis zum Oberst avancirte und Inhaberdes Ordenspour 1o rasrito militairs" wurde.

Nach seiner Ernennung zum Chef des neuen Regimentes beschäftigte' er sich von Paris aus unverweilteifrig mit den nöthigen Vorbereitungen und suchte sich hauptsächlich ein tüchtiges Offizier-Corps zu verschaffen. Indieses nahm er als Hauptmann auch den jungen Lieutenant Nork auf, welcher eines Ehrenhandels wegen denpreußischen Dienst 1780 hatte verlassen müssen und nun froh war, im Regimente Meuron eine mit Beförderung der-bundene Stellung zu finden. Das Commando einer anderen Compagnie seines Regiments übertrug der Obersteinem seiner Landslente, dem siebenundzwanzigjährigen Simon von Sandol-Roy, der bereits in Preußenund Polen mehrere Feldzüge mitgemacht hatte. Dieser junge Mann gehörte einem Zweige der in Neuenburg weitverbreiteten Familie Sandoz an, der circa 1750 seinen alten Namen Sandol (sins äoloi wieder angenommenhatte. Wie wir sehen werden, schlössen die beiden jungen Hauptleute bald gute Cameradschaft.

Die Ausrüstung der Flotte sowie die Bildung des Regimentes selbst erforderten längere Zeit als mananfangs gedacht hatte. Verschiedene Recrutirungsversuche Vork's am Niederrhcin waren von geringem Erfolgebegleitet; der Oberst berief ihn deshalb nach Paris, um ihm die Controle über die Beschaffung der Waffen unddie Ausrüstung und Kleidung der Leute zu übertragen, während er andere Offiziere auf Werbung in die Schweizschickte. Hier ging es besser, so daß gegen Ende Juni 1782 der vorgeschriebene Mannschaftsbestand erreicht wurde,und die Leute, der großen Mehrzahl nach Schweizer, in der Gegend von Da koolisllo zusammengezogen werdenkonnten. Zahlreiche Kriegsschiffe hatten sich hier vereinigt, die einen nach America, die andern nach dem Cap undnach Ostindien bestimmt, um den ersten Theil der Reise zusammen zu machen und durch ihre imposante Macht dieenglische Flotte unter dem gesürchteten Admiral Howe von einem Angriffe abzuhalten. Erst in den letzten TagenJuli's gelangte man dazu, das Regiment einzuschiffen. Der Regimentsstab und 800 Mann kamen auf das Schiffls klsr", die übrigen 200 Mann auf zwei kleinere Schiffe. Auch jetzt erfolgte indessen die Ordre zur Abfahrtnoch nicht; das Linienschiff1g Dratootour" mit dem AdmiralDa Notlro Dignot" ließ auf sich warten, zumSchaden der auf der Rhede der Insel Aix vereinigten Flotte, die mittlerweile durch einen heftigen Orkan argmitgenommen wurde. Endlich, am Morgen des 2, September 1782 ging man unter Segel. Die Escadre bestandaus vier großen Linienschiffen, fünf Fregatten, mehreren Korvetten und Kuttern, gefolgt von nahezu dreihundertKauffahrern, die sich von allen Seiten herzu gemacht hatten, um unter dem Schutze der Flotte den englischenKreuzern zu entgehen.