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Längs der spanischen Küste ging die Fahrt ungestört von Statten, nur mußten die bessern Segler ihrenLaus mäßigen, um die Fühlung mit dem großen Convoi nicht zu verlieren. Dieß war dem Capitän des trefflichenSeglers „lo L'ior" höchst unbequem; er schlug daher dem Oberst Meuron vor, die Reise allein fortzusetzen undstellte ihm in Aussicht, so schon in zehn Wochen das Cap, wohin das Regiment zunächst bestimmt war, erreichenzu können. Der Oberst lehnte das Anerbieten ab, und er that, wie die Folge zeigte, wohl daran. Bald stelltensich die Stürme der Tag- und Nachtgleiche ein. Waren diese schon heftig genug, um die ganze Escadre mitdem Untergänge zu bedrohen, so gesellten sich ihnen, um die Gefahr zu erhöhen, auch noch die kühnen englischenCaperschiffe hinzu, welche eine hartnäckige Jagd auf die Kauffahrer machten und da und dort einen solchen vonder Flotte abzulösen und zu entern vermochten. Als man den 35. Grad nördlicher Breite erreicht hatte, erging vomAdmiralschiff aus das Signal zur Theilung der Flotte. Der „Protecteur" selbst segelte mit der Mehrzahl derSchiffe den Antillen in Westindien zu, während siebenzehn nach dem Cap bestimmte Schiffe unter Führung derFregatte „Hermione" den Canarischen Inseln zusteuerten und dort am 8. November auf der Rhede vonSanta Croce die Anker warfen, um Mnndvorrath einzunehmen. Der achttägige Aufenthalt in Santa Crocewar eine Zeit der Erholung für den Obersten von Meuron und für seine Offiziere; sie wurden von den Einwohnernfestlich aufgenommen.
Am 17. November lichtete die Escadre wiederum die Anker; anhaltende Windstille ließ sie aber so langsamvom Flecke kommen, daß bald Mangel an Lcbensmitteln eintrat. Der Capitän des „L'ivr« war der erste zuerklären, daß sein Mnndvorrath nicht bis zur Ankunft am Cap hinreichen werde. Meuron, der sich von der Rich-tigkeit dieser Erklärung zu seinem Schrecken überzeugen mußte, setzte sofort die ganze Bemannung auf halbe Portion.
Diese Maßregel genügte indessen um so weniger, als unglücklicherweise nun auch noch der Skorbut dazukam. Er trat auf dem »lb'isr" so heftig auf, daß binnen Kurzem 230 Mann davon befallen wurden. Nunwurde Kriegsrath an Bord der „Hermione" gehalten; der Oberst Meuron setzte im Beisein sämmtlicher Schiffs-Capitäne die kritische Lage seiner Mannschaft auseinander und die Folge war, daß alle Schiffe der Escadre ihrenirgendwie entbehrlichen Mnndvorrath an den abgeben mußten. So gelang es, die Leute, vor gänzlicher
Aushungerung zu schützen und wieder einen leidlicheren Zustand herbeizuführen. Hätte Meuron ' im Beginne derReise dem Drängen des Capitäns gefolgt, wer weiß, ob es nicht zu seinem und seiner Leute Verderben ausge-schlagen hätte!
Am 6. Januar 1783 sah man vom »ll?igr« aus den langgestreckten Tafelberg sich über den Horizonterheben, am Tag darauf traf man am Cap der guten Hoffnung ein; der Hafen der Capstadt nahm dieEscadre nach einhundertfünfundzwanzigtägiger Fahrt auf. Menron's Regiment war durch Krankheit von 1000 auf850 Mann heruntergebracht.'
Die Capcolonic war in großer Gefahr gewesen, unmittelbar bei Beginn des Krieges von den Engländernüberrumpelt zu werden. In der Capstadt lag damals nur das alte nationale Grenadier-Bataillon des OberstenGordon, bloße 400 Mann stark; die Batterien waren verfallen und von Geschütz fast entblößt. Glücklicherweisewar indessen der französische Admiral Suffren schon im April 1781 nach dem Cap geeilt, hatte dort für denersten Bedarf das französische Regiment Pondichcry aus Land gesetzt und Befehl gegeben, schleunigst die Batterienauszubessern, neue Verschanzungen auszuwerfen und die Colonisten zu bewaffnen. Fast wäre, wenn nicht OberstGordon lebhaft dagegen protestirt hätte, ohne Weiteres die französische Flagge auf der Citadelle der Capstadtaufgepflanzt worden. Was der früher erwähnte Afrikareisende Vuillant über diesen Oberst Gordon berichtet,lautet sehr zu seinen Gunsten. T-s Vaillarck rühmt ihn besonders wegen der genauen Kenntniß des Landes, die ersich auf mehreren Reisen in's Innere erworben hatte.
In dem früher sehr eintönigen Leben der holländischen Colonisten hatte die große Masse französischerMilitärs eine merkwürdige Veränderung hervorgebracht. Die an und für sich lockere Disciplin und die geringeAutorität der Offiziere, wie sie damals bei den französischen Truppen an der Tagesordnung war, führte unter Ver-hältnissen gleich denjenigen am Cap zu mancherlei für die ehrsamen Colonisten peinlichen Vorkommnissen. Der