O
Innere Be-schaffenheitdes Berges.
Wie mandurch Kunsteinen feuer-speyendenHügel ma-chen könne.
Harz im See-wasser.
Gemein-schaft desVefuvius mitdem Meere.
Süßes Was-ser des Ber-ges.
758 i-Vii. Brief. Von den natürliche!: Merkwürdigkeiten
daß man endlich obrigkeitlichen Amts wegen Miffionarien hinaus senden mußte, um durchgute Vermahnungen den Unordnungen in etwas zu steuren.
Die vielerley Mineralien und andere Dinge, so der Vesuvius auswirft, verrathen ge-nugsam die innere Beschaffenheit seines Abgrundes, und woher seine Entzündung entstehe.Wenn lebendiger Schwefel und Feilstaub von Eisen vermischet und in einen Teig geknatctworden, darf nur kalt Wasser dazu gethan werden, um bald darauf diese Materie nicht nurin Hitze, sondern auch in eine vollkommene Flamme zu bringen. Lemery hat einsmals inseinem Garten zu Paris auf diese Art einen feuerspeyenden Berg, der von sich selbst in Brandgerathen, angeleget. Ja die neuern Chymici sind so weit gekommen, daß sie durch die bloßeZusammengießung zweyer zubereiteten Wasser Feuerflammen hervorbringen. Daß Eisenund Schwefel in Menge in den tiefen sagen und üegtis des Vesuvius und anderer feuer-speyenden Berge r) enthalten sey, zeigen sowohl die ausgeworfenen Schlacken, als die mine-ralischen Wasser, so unten am Berge gegen die Seeküste hervor quellen. Die Nachbar-schaft der offenbaren See theilet nicht nur die zur Nahrung und Unterhaltung dieser verbrenn-lichen Materien nöthige Feuchtigkeit mit, sondern auch vieles Salz und Harz, so durch dasWasser von seinen üratis stibterraneis abgespület wird, und eigentlich die salzige Bitterkeitdes Seewasserö verursachet. Die Vermischung des Oeles von Steinkohlen (welche vielesHarz bey sich führen) mit gemeinein Salze und Wasser,bringt eben den Geschmack hervor,welchen das Seewasser von Natur an sich hat. Wenn die See stille ist, schwimmt beyResina und Torre (welche bende Orte nahe am Berge und an der See liegen) öfters viel?etrol-n,n auf dem Wasser, welches die Fischer mit Schwammen sammeln und an die Apo-theker verkaufen. Daß aber der Vesuvius mit der offenbaren See eine Communication ha-be, lehret nicht nur die Erfahrung vom Jahre i6zi , da gleich anfangs und vor dem Bran-de das Meerwasser solchergestalt verschlungen worden, daß die Galeeren und Schiffe im Ha-fen aufs Trockne zu sitzen gekommen, sondern auch dasjenige, was im Jahre 1698 geschehen,da nämlich das Meer zwölf Schritte weit zurück gewichen, hernach aus dem Berge ein gros-ser Strom von Harz und andern Materien sich ergossen, und ferner als die See zu ihrervorigen Höhe wieder gelanget und der Brand vorbey gewesen, am Ufer der See, das naheam Berge gelegen ist, vielerley Muscheln und andere inarina verbrannt und nach Schwefelriechend gefunden worden. Ja parrino und Boccone bezeugen, daß etlichemal bey star-ken Entzündungen des Vesuvius auch heißes Seewasser mit Fischen, Muscheln und Scha-len oder Hülsen von allerley Seefrüchten ausgegossen worden.
Es fehlet indessen dem Berge auch nicht an süßen und gesunden Wassern oder Quellen,deren einige in kostbaren Wasserleitungen nach Neapolis zu großem Vortheil der Stadt ge-führt werden. Es haben solche Brunnen keine Warme bey sich, wie denn auch aus etlichenRitzen oder Oeffnungen des Berges ein ganz kalter Wind herausbricht.
Ich
,') Dergleichen Gegenden noch in Italien zu und zu solcher Zeit ist ein kleines Kohlfeuer widerPozznolo, Viterbo, Siena und in den Inseln die Kälte hinlänglich genug. Den GebrauchStromboli, Lipari, di Vulcano, Sicilien rc. an- des Eises oder Schnees beym Getränke bar ver-zutreffcn sind. muthlich anfangs der gute Geschmack einge-
In Sicilien ist das Llima so warm, daß führt: man will aber heute zu Lage auch eine Ge-malt zu Anfange des Ienners den Schatten sundheitsregel daraus machen und behaupten,suchet. Man findet auch keine Kamine in dieser daß in den warmen Ländern die Fieber nichtInsel. Im Monate März allein giebt es etli- mehr so stark regieren, nachdem solche Gewohn-che Tage, da die Winde ein wenig frostig sind, heit aufgekommen. Insbesondere versichert
plem-