Band 
[Zweyte Abtheilung.]
Seite
892
JPEG-Download
 

892

Lxn. Brief. Beschreibung

Beschreibungdes l). Hau-ses.

Gefahr beyBeschädi-gung desMauerwerks.

Wie gefähr-lich es sey, et-was aus demh- Haus^mit-zunehmen.

. Was das heilige Haus selbst anlangt, so ist solches etwan vierzig Fuß lang, nicht garzwanzig breit, und ohngefahr fünf und zwanzig hoch. Dieses ist die Größe, welche ihmTurst'lllnus giebt; bey genauerer Nachmessung aber nicht vollkommen richtig befunden wird,weil das Haus eigentlich 43 Koimmi weniger zween Zolle in der innern Länge, ig k-'l-nch nebst vier Zollen in der Breite, und 26 l'olmi in der Höhe an den Seiten hat, weicheSummen zi und drey Vierchel Fuß, iz Fuß nebst 2 und acht Neuntel Theil Zollen undt8 und drey Vierthel Fuß nach englischem Vtzraße (wenn anderthalb auf iz Zoll ge-rechnet werden) auskragen. In der Mitte und bey dem Schlüsse des Gewölbes ist solchesfünf ?alliü höher als an den Seiten. Ehemals hatte es nur eine hölzerne Decke; nachdemaber zu befürchten war, es möchte solche wegen der vielen allhier brennenden Lichter leicht inBrand gerathen, so wurde unter dem Pabste Clemens dem siebenten beschlossen, sie zu wöl-ben, und zu solchem Ende auch dem heil. Hause tiefere Fundamente zu geben. Um diesesaber bey solcher Veränderung vor aller Beschädigung zu bewahren, wurde.es mit Balken,Brettern und Stricken also zusammen gehalten und verbunden, daß es hernach an sehr dickenSeilen so lange in der Luft hangen konnte, bis die neuen Fundamente aus der Tiefe in dieHöhe geführet und mir der alten Mauer der Lsll> Loim, zusammen gefüget wurden. Beydieser Gelegenheit hat man auch eine Veränderung mit der Thüre getroffen. Denn da vor-her nur ein einziger Eingang aus der Seite gegen Norden ( welches vorzeiten die kckoÄstamüßte gewesen seyn) befindlich war, und solches wegen der Menge der Aus - und Eingehen-den viele Beschwerlichkeiten nach sich zog: so' fand man rathsam, diese zu vermauern, unddafür drey andere durchzubrechen, davon zwo dem Volke offen stehen, durch die dritte aberdie Priester und diejenigen, welche von ihnen begleitet werden, in den heiligsten Theil derKapelle gehen. Solche Oeffnungen wurden auf pabstlichen Befehl nach vorhergegangenemFasten und Bethen, mit vielen Ceremonien vorgenommen, nachdem dieses Unternehmen ei-nem Baumeister Nerucio, der es ohne die gehörigen Vorbereitungen gleichsam mir unge-waschenen Händen unternommen hatte, so übel bekommen war, daß er fast sein Leben dar-über eingebüßet, ob er gleich nur einen einzigen Schlag mir dem Harnn er an das Mauer-werk verrichtet hatte.. Zu gleicher Zeit wurde das Fenster, das an der Aben.feite und demBilvnisse der heil. Mariä gegenüber befindlich ist, erweitert und mit einem eisernen vergulde-ten Gitterwerke verwahret. Die Bretter, Balken, Ziegel des Daches und andere. Dinge,die man bey diesen Veränderungen weggenommen, wurden unter das Estrich der Lola 8»mabegraben, damit solche nicht an andern Orten als heilig verehret, und dadurch der Zulaufnach Loreto vermindert werden möchte. In dieser Absicht beredet man auch das Volk mitAnführung vieler Exempel, daß diejenigen, so sich unterstanden, von den Steinen oder Kalkedev heiligen Hauses heimlich etwas wegzuführen, so viele Krankheiten und andere Unglückesich auf den Hals geladen, daß sie keine Ruhe und Gedeihen haben können, bis sie die ent-wendeten Dinge wieder zurück gebracht. Ja man zeiget sogar an der Wand einen mit zweyeisernen Bändern befestigten Stein, welchen Johann Soarius, Bischof von Ccnimbria, imJahre 1562 aus Trident zurück geschickt, um seine darüber vertohrne Gesundheit wieder zuerlangen, obgleich solcher Stein mit Erlaubniß des Pabstes Pius des vierten weggenommenworden, und als ein Heiligthum in einer neuzuerbauenden Kirche in Portugall sollte gebrau-chet werden. Man muß sich demnach begnügen und es noch für eins sonderbare Gnade an-sehen, daß es erlaubet ist, die Wände und Mauern der Lsuca Odka zu lecken, wie in der Thatgeschieht.

Die