Band 
[Zweyte Abtheilung.]
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894
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Das Fenster,wodurch derEngel gekom»men.

Bildhauer-arbeit desEvangelistenLukas.

SchwarzeGesichter derh. Maria undihres-Kindes.

Kleidung.

Kostbare

Kronen.

Umkleidungderb. Maria.

LXii. Brief. Beschreibung

Das Fenster aber, wodurch der Engel in das Haus gekommen, wird an der Abend-seite der Kapelle gezeigek. Das Bildlich der Maria, so demselben gegenüber in dem schma-len abgesonderten Gange steht, ist aus Cedemholze und fünf l^Imi hoch. Der EvangelistLukas, der fast nichts anders gethan haben muß, als daß er die Portraits des Heilandes undseiner Mutter, welche man in Menge von ihm ausweist, gemalt, hat an diesem Stücke auchseine Bildhcuwrkunst bewiesen (*). Das Kindlein, das sie auf dem rechten Arme halt, istnicht gar zween hoch aus gleichem Holze, halt in der linken Hand die Weltkugel, undmit zween aufgerichteten Fingern der rechten Hand scheint es den Segen zu ertheilen. DieGesichter dieser beyden Bilder sind' mit einem silberfarbenen Firniß überzogen, vom vielenRauch der Lampen aber dergestalt angelaufen, daß sie ganz schwarz geworden, und fehlet derheil. Maria nichts als eine dicke Oberlefze, um einer Mohrinn vollkommen ähnlich zu sehen ä).Die Kleidung des Christkindleins ist insgemein feuerroth, der Maria aber himmelblau, undist sie damit also bedecket, daß man außer ihrem runden Gesichte und den Spitzen der Füßenichts von der Statue sieht. Der ihr von der Schulter Hangende Mantel ist von gleicherFarbe und mit goldenen Sternen gezieret. Ihre Haare sind getheilet und hängen über denRücken und die Schultern herab. Ueber ihrem Haupte ist eine goldene mit Perlen und Dia-manten besetzte dreyfache Krone zu sehen, und eine dergleichen kleinere auf dem Kopfe desKindleins Jesu. Beyde sind ein Geschenk des Königes in Frankreich Ludwigs des drey-zehnten, und werden auf fünf und siebenzigtaufend Scudi geschähet. An der großen liestman die Worte:

In capnt rmto menin cinxiili Virgo corona,diuiiL c'-iput ecce te^et nolira ooroim tuum.

An der kleinen:

l^brissns ckeckit Milii,

Lllritko reääo coronain.

Mit Beschreibung der goldenen Ketten, Ringe und kostbaren Juwelen, womit die/esMarienbild gleichsam bedecket ist, will ich mich nicht aufhalten, zumal da dieselben bisweilenverändert werden, und den neu ankommenden kostbarern-Stücken Platz machen müssen, dadann die alten in den Schatz gebracht und daselbst verwahret werden. Die Kleidung derh. Mariä ist auch nicht allezeit einerley, sondern wechselt ab. An den sieben Tagen der Char-woche ist sie schwarz gekleidet, und täglich mit einem andern Habite versehen. Die An- und

* - Ab-

(*) Man würde ein sehr starkes Verzeichmß lerkunst überhaupt als etwas dem Staate undliefern müsse«, wenn mau alle Meisterstücke nen- der Religion sehr gefährliches verdammet ha-tten wollte, welche von den Handen des Evange- den. Dazu kömmt das Stillschweigen der äl-listett Lukas sollen gekommen seyn. Schade ist testen Geschichtschreiber, welches desto mehrere-es nur, daß das ganze Vorgeben von der Ma- Aufmerksamkeit verdienet, weil die ehrwürdigenlerkunst dieses heiligen Geschichtschreibers auf Vater der zweyten nicanWen Kirchenversamm-dem sehr verdächtigen Zeugnisse des Nicephorus, lung keinen Maler Lukas kennen, da doch des-mithin auf sehr bodenlosen Stützen beruhet, selben Exempel ihrer eifrigen Vertheidigung derDas ganze Gedichte behalt auch kaum eine» Bilder den größte» Nachdruck hatte, geben kön-Schatten der Wahrscheinlichkeit, wenn man be- nen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die ver-denket, daß sowohl die ältesten Juden als Chri- züglich lebhafte Abbildung und Beschreibung,sten nach dem glaubwürdigen Berichte des Io- welche Lukas von den Tugenden der Mariasephus und Clemens Alexanvrinu« die Ma- macht, zu den: ganzen Gedichte Gelegenheit ge-geben,