Band 
[Zweyte Abtheilung.]
Seite
944
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Freyheit desFrauenzim-mers.

Galerien vorden Häusern.

Thurm rieZIi^Lnelli.

Räthsel vonseiner Aus-sicht.

944 I-XV. Brief. Relation

werden die geräucherten Würste sogar nach Ost - und Westindien versendet. Man bat sichaber beym Eiiffaufe. wohl in Acht zu nehmen, weil nicht jedermann einerley Geruch oder Ge-schmack liebet, und in viele derselben Knoblauch oder andere dergleichen Kräuter vermischetwerden. Man machet sie auch in Parma und Florenz nach.

Die Bologneser behaupten, ihre Käse wären so gut, als die parmesanischen, verkaufenauch eine große Menge unter diesem Namen. Aus allen diesen sieht man gar leicht die Ur-sache, warum Bologna la Zraüa genennt werde. Der kleine Arm des Reno, der durch dieStadt fließt, giebt ihrer Handlung keinen geringen Vortheil, indem sie vermittelst desselbeneinen Canal nach dem See Valle üi lvlar.ua gezogen, aus welchem sie ihre Waaren bequem-lich nach Ferrara, und ferner auf dem Po fortbringen.

Das vornehme Frauenzimmer geht auf französische Art gekleidet: von dem übrigensieht man die meisten in einem schwarzen Rocke und mit einem schwarzen seidenen Regen-tuche über dem Kopfe. Ueberhaupt genießt das weibliche Geschlecht in Bologna mehrereFreyheit als in vielen andern Städten Italiens. An keinem Orte habe ich so viele blindeLeute als hier bemerket, davon mir die eigentliche Ursache unbewußt ist. Man findet aberauch viele Leute in öffentlichen Straßen mit Brillen auf der Nase, welche nicht über Blödig-keit des Gesichtes zu klagen haben, sondern ihre Augen allenthalben herumschweisen lassen,ohne durch die Brillen zu sehen. Diese Mode kömmt aus Spanien, und soll eine sonderbareGravität anzeigen, daher auch sonderlich die Mönche und Pfaffen einen Staat damit führen.

In den meisten Straßen der Stadt sind vor den Häusern gewölbte Gänge oder Gale-rien , worauf das zweyte Stockwerk ruhet. Diese sind zwar bey starkem Winde, Regen undSonnenscheine sehr bequem, allein sie benehmen den Häusern alle diejenige Zierde, welche ih-nen eine schöne bckcciata oder ein ansehnliches Thor geben könnte. Weil auch die daran be-findlichen Seulen bald hoch, bald niedrig, bald rund, bald viereckigt oder achteckigt, hier undda von Steinen und an etlichen andern Orten nur von Holze sind, so kann solches unmöglichgut ins Auge fallen. Gedachte Galerien werden nur zum gehen gebraucht, und ist dieStraße, worinnen die Wagen fahren, um An gutes Theil niedriger. Die Dächer der Häu-ser sind von Ziegeln, aber sehr flach und ohne hervorreichende Spitzen, als welche auf derSeite nach der Straße mit einer kleinen Vormauer also verdecket ist, daß man nichts davonsieht.

Der Thurm clezli iällneUi wird von etlichen für den höchsten von ganz Italien wie-wohl ohne Grund ausgegeben, weil die Cuppola von der St. Peterskirche zu Rom auch indiesem Stücke ihm weit zuvor geht. Seine ganze Höhe ist nur von dreyhundert und einund siebenzig Fußen, oder vierhundert und vier und sechszig Stufen, davon vierhundert undneun und vierzig bis an den Umgang, die übrigen fünfzehn aber vollends oben hinauf, wo dieGlocken sich befinden, reichen. Es ist auch falsch, daß oben ein verguldeter eiserner Korbhange, worinnen man einen Mönch, der aus der Beichte geschwatzet, andern zum Exempelhabe sterben lassen. Der Thurm ist viereckigt und nur mit hölzernen Treppen versehen.Den Namen führet er von Gerhard Asinelli, welcher diesen Bau im Jahre 1109 auf seineUnkosten unternommen hat. Insgemein wird gesagt, man könne von seiner Höhe hundertund sünf Städte ( Lemo e cinguo Littä) übersehen; allein die Auflösung solches Räthselskömmt auf das zweydeutige Work Leino an, welches das nomcn proprimn einer nicht weitvon hier gegen Norden liegenden kleinen Stadt ist. Die übrigen fünf Städte, welche manvon dem Thurme sehen kann, sind Jmola, Bukrio, Ferrara, Modena und Bologna selbst.Gleiche Bewandniß hat es, wenn man in sranzösischer Sprache von einem Berge, der beym

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