Band 
[Zweyte Abtheilung.]
Seite
1359
JPEG-Download
 

Merseburg, Jena, Weymar, Erfurt, Gochu und Coburg. 1359

Zwischen Ilmenau und Schleußingen kömmt man durch einen Theil des Thüringer- Thüringer-Waldes, und nimmt man über den Berg bis Frauenwalda Vorspann. In dieser Gegend Wald.wächst kein ander Getraide als ein wenig Hafer, und müssen die Einwohner ihr Korn von Nahrung derden Nachbarn kaufen, hingegen haben sie das Holz in desto größerm Ueberflusse und kostet Einwohner,die Klafter auf den Stämmen drey bis vier gute Groschen, mit Umhauen, Spalten und Fuhr-lohn aber in Frauenwalda einen halben Thaler. Die Gebirge sind steil und die Wegeschlimm, absonderlich, wenn man Wagen hat, welche die hiesige breite Spure nicht halten.

Indessen kömmt man hier doch noch besser fort, als wenn man seinen Weg von Jena überGrafenthak und Saalfeld nach Coburg nehmen muß. So rauh und schlecht aber der ganzeStrich Landes, welchen der Thüringer-Wald einnimmt, ist, so giebt er doch seinen Einwohnerntheils die nöthige Nahrung, theils solche Mittel an die Hand, womit sie von ihren Nach-barn dasjenige, was ihnen etwan mangelt, erhandeln können. Dahin sind die vielen Ei-senwerke, für welche die Menge des Holzes gute Gelegenheit giebt, zu rechnen, desgleichendie vielen gebrannten Wasser, so außer Landes verführet werden; einige Schwefelgruben,

Glashütten, vieles Pech, Theer und Harz, Kühnruß, Schiefer und mancherley Holzarbeitan Schindeln, Hecheln, Sieben, Schaufeln und dergleichen. Auch fehlet es nicht an Merk-würdigkeiten, die den Naturkündigern zu gelehrten Untersuchungen Anlaß geben können.

Zu Mannebach, einem sachsengothaischen Dorfe im Amte Schwarzwald, nicht gar weit ketrefsNs.von Ilmenau, findet man auf denen daselbst aus der Tiefe gebrochenen Schiefern die Abbil- auf

düng von vielerley bekannten Krautern, worunter das Engelsüß, Kahenwedel und Farren- Manne-kraut am meisten vorkommen. Diese Schiefergruben sind erst im Jahre 1691 entdecket bachischcnund von solcher Zeit an mit großem Vortheile gebauet worden. Bey Suhla, so dem Her- Schiefern,zöge von Meynungen gehört, finden sich schöne Dendriten, deren Eigenschaften theils von SuhlischeKupfer theils von Eisen herrühren, daher sie auch in der Farbe sehr unterschieden sind. Ei- Dendriten,nige haben rothe, andere gelbe oder schwarze, und noch andere braune, ja etliche auch grüneBäumchen. In der Grube auf dem Goldlauter daselbst entdecket man verschiedene Artenvon Fischen auf Schiefer. Von dem bey Suhla gefundenen Skeleton eines Crocodils habe Erocodil.ich in der Beschreibung des Linkischen Kabinets zu Leipzig Erwähnung gethan. In demmeynungischen Herzogthume werden an etlichen Orten Steinkohlen gegraben.

Bey den Nachrichten von Gotha habe ich des ElephankengerippeS, so in der Nach- Elephant, sobarschaft solcher Stadt nämlich zu Burg-Tonna aus der Erde hervorgebracht worden, ver- bey Tonn»gessen, und hat es damit folgende Bewandniß: Im Jahre 1695, zu Anfange des Decem- ausgegrabenbcrö, entdeckte man an obgedachtem Orte, eilf Ellen tief in einem Hügel, wo der schönsteweiße Sand zu den Sanduhren gegraben wird, vier große Zähne, deren einer zwölfPfundegewogen, zwey Hörner jedes vier Ellen lang, und im Jahre 1696 im April vollends dieübrigen Stücke eines ganzen Skelets, welches Tenzel mit denen Ksochen und der Beschrei-bung des Elephanten, den D. Moulins, ein englischer Medicus zu Dublin anatomiret hat-te u), conferirte, und das Tonnische Gerippe von einem Elephanten zu seyn befand. Indem sandigen strato war selbiges ziemlich aufgelöset und mehr calciniret als versteinert,daher man von den Knochen wenig aufbehalten konnte, auch fanden sich dabey viele langeund runde Schneckenhäuser. Von dieser Entdeckung schrieb Tenzel einen Brief an dengelehrten fiorentimschen llibilotbcoorinm ?,ibekam aber.darüber einen garhitzigen Federkrieg mit etlichen gokhaischcn Aerzten, welche noch mit den alten kAincipiis ein-genommen waren, und ein Ististoornn tollste, das mir dem reZno wstunsti gar nichts gemein

hätte,

») Die Anatomie dieses Elephanten kam im Jahre iszi im Druck heraus.