Band 
[Zweyte Abtheilung.]
Seite
1457
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nach Heilbronn. 1457

selbst gezeiget würde. Sie fuhr gleichfalls dahin, und der Löwe bezeigte sich in ihrer Ge-genwart ganz freundlich; die mit ihr gegenwärtige Damen aber hatten so viele Furcht vordieses Thier, daß sie die Herzoginn inständigst antrieben, diesen Ort zu verlassen, zumal dader Löwe in Fontainebleau an einem für die Zuschauer sicherem Orte öffentlich sollte gezeigetwerden. Nach ihrer Zurückkehr fragte sie fleißig nach, ob das nöthige Gerüste und Gehäu-se für den Löwen noch nicht fertig sey, und als sie endlich vernahm, daß solches geschehen, fuhrsie dahin, um den Löwen recht in Augenschein zu nehmen. Indem man hernach meynte, siewürde wieder weggehen, und da ihre Damen hier und da Abschied nahmen, hörte man aufeinmal das Geschrey: 8auvez M-chüiie! und fand mit großem Schrecken, daß die Herzoginn»»vermuthet zum Löwen hineingegangen und ihn als einen kleinen Hund careßiret, ohne daßer ihr den geringsten Schaden zuzufügen gedachte. Sie meldete hernach, man habe bey ih-rem Hause die Tradition, daß kein Löwe einer Person von ihrer Familie einiges Leid zufüge,und weil sie in der Versicherung stehe, daß sie eine aus reinem Ehebette erzeugte Pfalzgrä-finn sey, so habe sie kein Bedenken getragen, dasjenige, was geschehen war, zu wagen. Auseinem dergleichen Vertrauen ist es vielleicht geschehen, daß ihres Herrn Vaters Bruder, der bemPrinz Robert, dessen die englische Historie öftere Meldung thut, lange Zeit einen zahmen Lö- s,wen mit sich geführet, mit welchem aber die Sache auf Seiten des Prinzen vielleicht übelwürde abgelaufen seyn, wenn der Prinz nicht für nöthig erachtet hätte, dem Uebel noch zurechter Zeit vorzukommen., Denn der Löwe leckte gewöhnlichermaßen seines Herrn Hand,fing aber nach und nach an'solches mit außerordentlicher Begierde und Stärke zu thun, wo-bey dem Prinzen in den Sinn kam, daß dergleichen Thiere, wenn sie einmal frisches Blutvon einem Körper schmecken, hernach mit ihrer natürlichen Furie über denselben gerathen, da-her er alsbald den Entschluß fastete, nach einem mit etlichen Kugeln geladenem Pistol zugrei-fen und damit den Löwen übern Haufen zu schießen.

Man hat sonst bey verschiedenen Gelegenheiten wahrgenommen, daß die wildesten Thie- WasinLotk«re öfters Liebkosungen gegen das weibliche Geschlecht gebrauchen, welche vielleicht gar weitgehen würden, wann man ihnen ihren Willen lassen wollte. Unter der Regierung des Kö- paMet ist.nig Karls des zweyten trug es sich zu, daß in dem Towr zu London ein Löwe aus seinemGehäuse entkommen zu der Zeit, da eine Weibsperson den Platz des Löwengatten rein machte.

Dieses wildeThier lief zwar nach ihr und ereilete sie, fügte ihr aber kein Leid zu, sondern such-te vielmehr ihr seine Freundschaft zu erkennen zu geben, wobey er sie stets mit der einen Tatzeumfasset hielt. Es verstrichen viele Stunden, da man kein Mittel, dieser unglücklichen Ge-fangenen zu helfen, auszufinden vermochte. Beym Schießen war zu befürchten, dass mandie Weibsperson zugleich mit treffen möchte, oder daß der Löwe, wann er nicht alsbald todtdarnieder fiele, vorher gegen seine Gefangene Wuth und Rache ausüben möchte. Wollteman ihm mit Gift vom Leben helfen, so war gleichfalls zu bedenken, daß die Schmerzen, wel-che er vor seinem Tode davon empfinden müßte, ihn zur Furie bewegen würden. Währen-den solches zweifelhaften Rathschlagens schien der Löwe schläfrig zu werden, daher man fürrathsam fand, dem Mägdchen etliche Stricke hinunter zu werfen, damit sie solche um ihrenLeib befestigen und die oben stehenden Leute sie dadurch aus ihrer Gefahr erlösen könnten/

Als man bald darauf den Löwen mit Schlaf überfallen zu seyn glaubte, oder er vielleicht auchwirklich im Schlafe war, zog man auf einmal und mit Gewalt vermittelst der Stricke die Ge-fangene in die Höhe, worüber aber auch der Löwe aufsprang, und sie in Stücke zerriß.

Nachdem das Unglück geschehen, fügte es sich, daß ein Medicus vorbey gieng und fragte:

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