Band 
[Zweyte Abtheilung.]
Seite
1458
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Altes Ge-mälde.

Archiv mAnspach.

Anatomische

Observation.

Nachrichtenvom D-Ha»-del.

1458 xevi. Brief. Reise von Regsnspurg

warum man dem Lön-en nicht Opium vorgeworfen oder in seiner Speise,beygebracht habe?Der Rath wäre vielleicht gut gewesen, für dieses mal kam er zu spät.

Zu Anspach ist man mit einem neuen Bau am Schlosse beschäfstiget. In St. Hum-bertöstifte bemerket man ein Gemälde, das noch vor der Reformation verfertiget worden, undeine Partey Pfaffen vorstellet, die mit Weibern am Tische sitzen, wobey die Teufel die Spei-sen auftragen. In dieser Kirche liegt auch der berühmte Limnaus begraben. Das an-spachische Archiv ist mit guten Documenten versehen, was insonderheit die evangelischluthe-rische Kirchenhiftorie anlanget, jedoch ist man um vieles gekommen, welches zu Anfange desdreyßigjährigen Krieges nach Leipzig geflüchtet worden, und nun nicht wieder ausfindig ge-macht werden kann.

Ich weis nicht, ob als etwas sonderbares mit anzuführen ist, daß, als man vor etlichenJahren den Kopf eines am anspachischen Hofe verstorbenen einfältigen Narrcns, Cäsperlegenannt, öffnete, nicht mehr Gehirn, als in einer Gans zu seyn pfleget, und zwar in eben sol-cher Lage, wie man in den Gänseköpfen antrifft, gefunden worden.

Die Streitigkeiten, welche der vorige Markgraf mit seinem ehemaligen Beichtvater, demGeneralfuperintendenten D. Christian Händel gehabt, sind meinem Herrn guten Theils bekannt.

Die erste Gelegenheit dazu fand sich, da der Markgraf von dem D. Händel abgieng,und den D. Tiezmann zu seinem Beichtvater erwählte, ohne jenem die Ursachen solcher Ver-änderung zu melden. - Händel hielt sich dadurch beschimpfet und drang darauf, daß man zuseiner Rechtfertigung die Motiven anführen sollte, warum er hintangesetzet würde; weil abervielerlei) politische Umstände damals nicht zuließen, ihm solche deutlich zu eröffn^, so triebjhn die Ungeduld zu vielerlei) Unruhen in Reden, Schriften und andern Unternehmungen,wodurch endlich ein peinlicher Proceß über ihn verhänget, und in einem zu Halle eingeholtenUrtheile ihm der Kopf abgesprochen worden. Die Leben-sstrafe verwandelte der Markgrafin eine ewige Gefängniß aus der Festung Wilsburg, woselbst D. Händel noch itzt sitzt, ober gleich stets in der festen Hoffnung gestanden, daß wenigstens gleich nach des damals regie-renden Herrn Tode eine glückliche Veränderung mit ihm vorgehen würde. Die große Gna-de des vorigen bey Kutkensee an einer Wunde gestorbenen Herrn Markgrafen Georg Frie-drichs hatte ihn verwöhnet, und kann es wohl seyn, daß, da er gern einen kleinen Pabst agireLhätte, ihn der Verlust seines Credits unter der neuen Regierung zu empfindlich gerühret hat.

Er ist ein guter Redner, und von seiner guten Poesie zeuget dasjenige Lied, welches ihngrößtenteils in sein Verderben gestürzek, und von mir deswegen hier eingerücket wird, weildie gründliche Nachricht, welche der Herr Markgraf im Jahre 1722 von der peinlichen Jn-quisitionssache wider D. Händel herausgeben lassen, in weniger Leute Händen sich befindet.

Wenn mein geängstet Geist betrachtet,Wie meiner Augen Lust verdirbt,Wie meine Nahcl wird geschlachtet -/),Wie jämmerlich Tabea stirbt,

Ja wie wir beyde ohne SchuldenDen Tod von unstrm Fürsten dulden,So schreye ich so laut ich kannDen Gott des Trostes also an:

L.

Herr aller Herrn, Gott aller Götter,

Ein König über alle Welt;

Fürst, deine wider ihre SpötterDie Frömmigkeit zu Füßen fällt,

Du Meister über alle Meister,

Ein Arzt der höchst betrübten Geister,

Du Vater der Barmherzigkeit,

Ein Richter in der bösen Zeit.

g-D»

. D- Handel gab vor, seine Frau sey barüber, daß etliche Dragoner auf des Fürsten Befehlsein Haus besetzet und nach verdächtigen Schriften gesuchrt, dergestalt erschrocken, daß sie balddarauf der Tod davon geklommen.