Band 
[Zweyte Abtheilung.]
Seite
1486
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Außerordent-licher Lebens-laufdesPros.vn Vsl.

1486 XM. Brief. Vvn Luneville/ Nancy

Bey Gesegenheit der Ritterakademie zu Luneville kann ich nicht umhin, die sonderbarenSchicksale des t'Hlgen ?rofe1l«ns Ickiftoriarmu und 6ec,Arr,pbiL, Namens Du Val mit anzu-führen. Er ist eines Bauern Sohn aus Bourgogne, und kam als ein Kind nach Lothrin-gen, woselbst sein erstes Amt darinnen bestund, daß er vier Stunden von Nancy in einemDorfe die Schafe hütete. Von feiner Kindheit an zeigete sich in ihm eine sonderbare Begier-de zu wissen, und da er solche noch mit nichts anders zu stillen wußte, so sammlete er Schne-cken, Raupen und andere dergleichen Thiere, um solche öfters und genauer zu betrachten.Niemand war im Dorfe, den er mit seinen neugierigen Fragen, woher dieses oder jenes kom-me, und aus was für Ursachen eö also und nicht anders sey, verschönere; die Antworten aberwaren, wie leicht zu erachten, gemeiniglich solchergestalt beschaffen, daß er nach denselben we-niger als vorher wußte. Einsmals erblickte er bey einem andern Bauerbuben des AesopusFabeln mit Kupferstichen, die seine Begierde, etwas zu lernen, in außerordentliche Bewegungsehten. Lesen konnte er noch nicht, und die andern Jungen, welche etwan ihre Wissenschaf-ten bis aufs Lesen gebracht, hatten nicht allezeit Lust, ihm die in Bildern vorgestellten Sachenzu erklären. In dieser Noth fassete er den Entschluß, nicht eher zu ruhen, bis er lesen könnte.Zu solchem Ende sparete und sammlete er bey allen Gelegenheiten etwas Geld, und gab es an-dern und ältern Bauerjungen, daß sie ihn im Lesen unterrichten mußten. Als er hierinnenseinen Endzweck erreichet hakte, kam er ohngefahr über einen Kalender, worinnen die zwölfSternstguren des Threrkreifts gezeichnet waren. Diese suchte er am Himmel, vermeynte auchwirklich solche Figuren daselbst gefunden zu haben; und ob er gleich sowohl in diesen als man-cherley andern Puncten sich irrige Begriffe machte, so ge'ritth er doch dabey auch auf vieleAnmerkungen, die andere kaum nach vorhergegangenem Unterrichte recht zu fassen pstegen.Einsmals fügte es sich, daß er in Nancy vor dem Kaufladen eines Kupferstechers vorbey gieng,und daselbst eine ausgehängte Landkarte, welche die Erdkugel abbildete, bemerkte. Diese gabneue Gelegenheit zu speculiren, und nachdem er sie gekauft hakte, manche 'Stunde darüber zu-zubringen. Anfänglich nahm er die im '/.ocftaco schwarz und weiß unterschiedene Oracle fürfranzösische Meilen an, da er aber überlegte, daß er schon aus Burgund nach Lothringen vieleMeilen zurück geleget hatte, welche auf der besagten Karte einen viel kleinern PlaH einnehmenmüßten, als etliche solcher Abtheilungen auskragen würden, so begriff er gar bald die Unmög-lichkeit seiner ersten Muthmaßung, die eigentliche Bedeutungen aber dieser und vieler andernZeichen auf denen Landkarten, deren er sich nach und nach mehrere anschaffte, konnten von ihmnicht anders als mit unglaublicher Mühe ausgeforschet werden. Unterdessen ward sein zurStille geneigtes Temperament des Aufenthalts unter den wilden Bauerjungen müde, und erbegab sich zu etlichen Einsiedlern, die eine halbe Stunde von Luneville im Holze wohnen, umihnen aufzuwarten und die sechs bis acht Kühe, welche sie unterhalten, zu weydcn. Diese Her-miten waren selbst Ignoranten, Du V-,1 aber bekam bey ihnen Gelegenheit, verschiedene Bü-cher zu lesen, und von denen Leuten , die hinaus zu ihnen kamen, von einem und andern Din-gen mehrern Unterricht einzuholen. Was er bey seinem geringen Dienste ersparen konnte,wurde auf Bücher und Landkarten gewendet. Unter etlichen von diesen letztem bemerkte erdie Wapen großer Herren, und weil unter selbigen Greifen, doppelte Adler, Löwen mit dop-pelten Schwänzen und andere dergleichen Wunderkhiere vorkamen, so erkundig!« er sich beyeinem Fremden, ob dergleichen Creaturen in der Welt wären. Auf die erlangte» Nachrich-ten , daß diese Zeichen zu einer besondern Wissenschaft gehörten, welche man klolon nennete,schrieb er diesen ihm vorher unbekannten Namen auf einen Zettel, eilete damit nach Nancy ineinen Vuchladen, und kaufte daselbst ein Buch von der Wapenkunst, durch dessen Anleitunger hernach, ohne fernere Beyhülfe eines Lehrers, biese Wissenschaft aus dem Grunde studirte.

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