Band 
[Zweyte Abtheilung.]
Seite
1487
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und dem lothringischen Hofe. 1487

Bey ißtgedachten Umständen seines Lebens hatte er schon das ein und zwanzigste Jahr seinesAlters zurück geleget, als er im Jahre 1717 im Herbste cinsmals im Holze die Kühe hüteteund seinen kulantem unter einem Bamrse bey sich hatte, da der damalige Prinz und iHige Her-zog von Lothringen auf derJagd in dieser Gegend war, und es sich fügen mußte, daß der Hof-meister des Prinzen, Herr von Pfütschner, ein Mann von vielen Verdiensten, und der an-itzt unter den Geheimen Räthen des Herzogs in besonderm Ansehen bey seinem Herrn ist, denI)n Vnl in seinen! Studiern antraf. Ein gemeiner Hirt mit braunen und langen herabhän-genden Haaren in einem elenden leinen Kittel unter einer Menge Landkarten schiene dem Herrnvon Pfütschner eine so ungewöhnliche Sache zu seyn, daß er dem Prinzen Nachricht davongab, welcher gleichfalls hmzuritte, und den Hirten über seinen Zeitvertreib befragte. Du Valbeantwortete alle Fragen mit guter Vernunft und zeigte dabey, daß er in verschiedenen Wis-senschaften schöne Fundamente geleget habe. Der Prinz erboth sich, ihn mit nach Hofe undin seine Dienste zu nehmen; Du Val aber, der in etlichen moralischen Büchern gelesen hatte,wie schlimm es bey Hofe zugieng, und der auch in der Stadt beobachtet hatte, daß Lackeyenvon vornehmen Herren sich vollgesoffen, gezanket, geschlagen und gefluchet, antwortete mit ei-ner offenherzigen Freyheit: wenn er dem Prinzen aufwarten sollte, so verlange er nicht vonseiner Heerde und wäre ihm lieber, daß er bey seinem ruhigen und vergnügten Stande imWalde bliebe; wollte man ihm aber Gelegenheit geben, daß er Bücher lesen und etwas ler-nen könnte, so sey er bereit, einem jeden zu folgen. Die Antwort gefiel dem Prinzen, wel-cher diesen Hirten nach Hofe kommen ließ, und bey dem Herzoge es dahin brachte, daß DuVäl in das Jesuitercollegium zu kom-a-Xloullon geschickt wurde.

Die Begierde, den vannonem äo re ruüica zu lesen, machte, daß er in kurzer Zeitder lateinischen Sprache mächtig wurde, und mit dieser Beyhülfe war ihm nachmals nichtsmehr schwer. Als er in ?>- ö-louilon mit vielem Ruhme seine Lmäis vollendet hat-te, ließ ihn der Herzog nach Frankreich reisen. Seine vornehmsten Wissenschaften sinddie alte und neue Historie, die Geographie, die Antiquitäten und alten Münzen. Ich ha-be ihn über das Reich der Karthaginenser lesen hören, und mich verwundern muffen überdie Geschicklichkeit, womit er die Historie, Geographie, Sitten der Völker und merkwürdi-ge alte Medaillen aufs gründlichste zu verknüpfen wußte. Die Profefforstelle bey derRitterakademie ist ihm erst kürzlich mit sieben hundert Livres Besoldung zu Theil worden.

Als BibliothccariuS hat er tausend Livres und dabey freye Wohnung und freye Tafel amHose mit dem Beichtvater des Herzogs. Das rühmlichste an ihm ist seine Modestie undHöflichkeit. Er schämet sich nicht seines ehemaligen geringen Standes, sondern erzähletgern, wie sich in seinem Verstände ein Begriff nach dem andern formirek, und er auch in^seinen verächtlichen Umständen vergnügt gewesen. Er besuchet noch öfters mit gutenFreunden die aus welcher ihn die Gnade des Herzogs gezogen, er hat seine

Kammer kroch daselbst und ist Willens ein kleines Haus dahin zu bauen. Seinen elendenAuszug, worinnen ihn der Herr von Pfütschner unter einem Baume im Walde angetrof-fen, nebst der eigentlichen Abbildung der Gegend, und wie er mit dem Prinzen in Unterre-dung gewesen, hat er in ein Gemälde bringen und solches in des Herzogs Bibliothek auf-hängen lassen. Von der Anlegung dieser neuen Büchersammlung erzählet« er mir, daß des H^oqlicheRosemhal Werk cle keuchs, welches in einer Lehenstreitigkeit mit Churpfalz wider das Bibliothek.Haus Lothringen angeführet worden, die erste Gelegenheit dazu gegeben, weil man diesessonst nicht rare Buch bey keinem Gelehrten in Nancy antraf und dem Hause Lothringendennoch an der Untersuchung der angeführten Stelle gelegen war. AniHt ist diese Biblio-thek schon zu einer ansehnlichen Zahl auserlesener Werke angewachsen, und man unterläßt

nicht,