ro4 Beschreibung der Königreiche Leango, Kongo, Angola, Benguela,
Jaggaer. wegen der beständigen Wachsamkeit, wozu diese genöthigt sind, ab. Werden sie angefallen,
'-^' so vertheidigen sie sich nur, und lassen den Gegner seinen Grimm zweene oder drey Tage auö-
lassen. Darauf schicket der Heerführer eine große Menge Soldaten bey der Nacht in einenHinterhalt, auf einige Entfernung vom Lager, und den folgenden Tag wird der Feind, in-dem er den Angriff erneuert, von beyden Seiten angegriffen, und folglich bald geschlagen;worauf sie das Land überschwemmen.
Kleidung des Der Iagga Ralandola oder Heerführer, unter dem der Verfasser diente, hatte langeHeerführers. Haare, die in verschiedene Knoten geknüpft und mit Bambaschalen geziert waren. Er trugein Halsband von Mafios, welches eine Art Muscheln sind, die sie auf der Küste finden,und für zwanzig Schillinge verkaufen. Dritten um den Leib hatte er Landes oder Schnurenvon Kugeln, die aus Straußeneyern gemacht waren, nebst einem Palmenzeuge, so fein alsSeide. Auf dem Leibe waren verschiedene Figuren eingedruckt, und täglich ward er mitMenschenfette gesalbt. Queer über der Nase trug er ein Stück Kupfer zweene Zoll lang,und zwey dergleichen Stücke in den Ohren. Der Leib war überall weiß und roth gemalt.Er hatte zwanzig oder dreyßig Weiber zur beständigen Aufwartung. Eine trug seinen Bo-gen und Pfeile, und vier andere seine Trinkgefäße. Wenn er trank, so knieten sie alle nie-der, klopften in die Hände und sangen ^).
Kleidung ih- Ihre Weiber tragen ihre Haare hoch aufgewickelt, mit Bambaschalen geziert,rer Weiber, und salben sich mit Zibeth. Sie reißen zweene von den obern, und zweene von den un-tern Zähnen aus, welches sie für eine Schönheit halten; und diejenigen, denen diese Zäh-ne nicht mangeln, werden verachtet, und dürfen mit ihnen weder essen noch trinken. Sietragen viele Schnuren Kügelchen um ihre Aerme, Füße und Hälse, auch Seidenzeuge mit-ten um den Leib.
Sie tödten Diese Weiber sind fruchtbar, aber sie begraben die Kinder, so bald sie gebohren sind,ihreKinder. haß dieses Geschlecht von ihnen keine Nachkommenschaft hat >'). Sie wollen sich nämlichmit der Auferziehung nicht beunruhigen, noch auf dem Marsche beschweren. Wenn sie abereine Stadt einnehmen, so behalten sie alle Knaben und Mägdchen von zwölf bis dreyzehnJahren, als ihre Kinder. Die Männer und Weiber tödten und fressen sie r). Die Knabe»ziehen sie zum Kriege auf, und hängen ihnen, als ein verächtliches Zeichen, ein Halsbandum, das sie ihnen nicht eher abnehmen, als bis sie dem Heerführer, zum Zeichen ihres Mu-thes, den Kopf eines Feindes gebracht haben. Alsdann wird dem Jünglinge dieses Merk-mahl der Kindheit abgenommen, und er zum Gonjo aber Soldaten erklärt. Dieß machetsie kühn und verzweifelt, weil sie gern frey, und für Männer angesehen seyn wollen. Inihrem ganzen Lager waren nur zwölf natürliche Zftrggaer, welches ihre Feldherren waren,und vierzehn oder fünfzehn Weiber; denn sie hatten ihr Vaterland Sierra Leona vormehr als fünfzig Jahren verlassen. Ihr Lager war sechzehmauftnd Mann stark, und manch-mal noch stärker.
Weint
F) Purcvas Pilgr. ll Band a. d. -76 S.
1°) Dieß kann nicht wahr seyn; denn so märendiese Länder längst entvölkert worden.
§) Barrel hatte lang genug unter diesen Leuten
gelebt, ihre Gewohnheiten zu wissen. Waren siekeine Menschenfresser, so verdienet er keinen Glau-ben. Gleichwohl gestehen wir, daß wir zweifel-haft sind.