^2 Reisen nach dem Reiche China.
1-20 Nachdem die Mandarinen fortgegangen waren, so berief der Legat alle Geistliche, dieMeßbar, sich bey ihm befanden, in sein Zimmer, bethete das Vem Creator, und verlangte in gegen-ba. wärtiger Schwierigkeit ihren Rath. Sie waren alle der Meynung, man müsse zwar im^—^geringsten nicht von dem Wesentlichen der Constitution Clemens des XI abweichen, aberdoch dabey alle mögliche Geschicklichkeit anwenden, daß man nicht, durch «»zeitige Hart-näckigkeit alle Hoffnung, die sich der Pabst ihrer Religion wegen in China gemachthatte, zerstörte o).
List der Man- Den 27sten, gleich nach der Mittagsmahlzeit, kamen die vier Mandarinen zu demdarrnen. Legaten, in Begleitung eines fünften, den er nicht kannte. Er bildete sich ein, sie bräch-ten des Kaisers endliche Antwort; allein ihre Unterredung war fast nichts weiter, als eineWiederholung der vorigen. Sie drohten ihm; sie schmeichelten ihm; und bedienten sichaller möglichen Kunstgriffe, ihn dahin zu bringen, daß er die unglückliche Bulle sollte fahrenlassen. Weil aber Mezzabarba unbeweglich blieb: so ließen sie ihm beym Abschiede nur dieHoffnung noch übrig: der Kaiser, welcher beschlossen hätte, gleich den nächsten Morgen alleEuropäer fortzuschicken, möchte ihnen noch einen kleinen Aufschub nicht abschlagen, weil derWinter so strenge wäre; und eben so würde dem Legaten Zeit verstattet werden, sich von denBeschwerlichkeiten der Reise zu erholen.
Betrug eines Wenige Schritte von des Legaten Hause meldete ihnen der fünfte mitgebrachte, wel-Iesmcui. ches Ludwig Fan, ein chinesischer Jesuit war, den pereira vollkommen wohl kannte,dieser letztere habe alle Antworten Seiner Excellenz vollkommen aufrichtig über,setzt; aber doch hätte er eine Sache zu melden unterlassen, nämlich: der Legatersuchte den Raiser, einen Brief, den der pabst an die Barnabitermönche gerich,ret härte, zu öffnen, in welchem vielleicht die Erlaubniß zu Mäßigung der Bullezu finden wäre. Die Mandarinen erstaunten hierüber, kehrten um, riefen den pereiraan die Hausthüre, und setzten ihn zur Rede, warum er diesen Theil von des LegatenUnterredung verhelet hätte? Da der Jesuit sagte: er hätte nichts dergleichen gehöret: soriefen sie den Mezzabarba selbst heraus. Dieser versicherte gleichfalls, er wüßte davonnichts. Er setzte hinzu, „ das Schreiben an die Barnabitermönche enthielte, so viel er„ glaubte, nichts weiter, als daß ihnen seine Absendung bekannt gemacht würde. Er wie-„ verholte hierauf sein Ansuchen, der Kaiser möchte sich gefallen lassen, des Pabstes Schrei-„ ben an ihn zu lesen, weil solches Seiner Heiligkeit Gründe enthielte, warum sie sich das-„ jenige, was mit der christlichen Religion nicht übereinstimmte, nicht gefallen lassen könn-« ten, ohne im übrigen sich in etwas zu mengen, das mit derselben zu vergleichen, und deS-,» wegen erlaubt wäre. „
Aber, sagten die Mandarinen, habet ihr einige Macht, die Strenge der Bulle zumildern? und enthält Seiner Heiligkeit Schreiben diese Erlaubniß? „ Nein, sagte der Le-,, gat, ich habe diese Macht nicht, und kein Mensch kann solche ertheilen. Ich habe aber,, den Kaiser ersucht, und ersuche ihn nochmals, des heiligen Vaters Schreiben zu öffnen,», in der sichern Meynung, daß alles, was darinnen enthalten ist, Seiner Majestät voll-,, kommen angenehm seyn wird. Gleichwohl habe ich auch die Gewalt, gewisse Sachen,die der Religion nicht zuwider sind, zu verstatten. Will aber der Kaiser den Brief gar
nicht
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