i4o Reisen und Entdeckungen
Christoph art, und die Lust erschallete von ihren Gesängen. Beyde Theile begegneten einander uri-Lolumbus. weit der Stadt Taragua; und es versicherte jedweder den andern aller guten Freundschaft. und aufrichtigen Gesinnung. Nach geschehener Bewillkommung wurde Ovando unter be-
^ ' ständigem Zurufen des Volkes in der Königinn Pallast geführet und in einem großen Saa-
le auf das beste bewirthet. Alle seine Leute wurden gleichfalls bis zum Ueberflusse versor-get, und auf die Mahlzeit folgetcn Tanze und Lustbarkeiten. Die Lustbarkeit dauerte unterallerley Abwechselungen und mir vieler Pracht einige Tage lang, und die Castilianer konn-ten die Artigkeit, welche an einem barbarischen Hofe herrschete, nicht ohne Verwunde-rung ansehen.
Unerhörte Seines Ortes versprach Ovando der Königinn von Taragua, er wolle sie künftigenTreulosigkeit Sonntag mit einer Lustbarkeit nach spanischer Art bedienen, und sähe er es gern, wenn sie,ters. um ihre Hoheit recht zu zeigen, mit ihrem gesummten Adel dabey erschiene. Weil nun dieses Ver-langen vielmehr ihrem Ehrgeize angenehm fiel, als daß es einiges MiStrauen bey ihr er-wecken konnte: so behielt sie ihre dreyhundert Lehnsleute bey sich, und gab ihnen an ebendemselbigen Tage, in Gegenwart einer unzähligen Menge Volkes, das aus Ncugierig-keit, die spanische Lustbarkeit zu sehen, herbey gelaufen war, einen großen Schmaus. Dieganze indianische Hofstaat befand sich in einem geräumigen Saale, der an den Platz stieß,wo die Lustbarkeit vorgehen sollte, und dessen Dach auf sehr vielen Säulen ruhete. Nacheinigem Verzüge, erschienen die Spanier in Schlachtordnung. Das Fußvolk kam zuerst,und besetzete mit guter Art alle Zugänge zu dem Platze. Hierauf folgete die Reuterey un-ter Anführung des Statthalters, rückete bis an den Saal, umringete ihn, und zog sodannvom Leder. Bey diesem Anblicke gerieth die Königinn und alle ihre Gäste in Todesangst.Ovando ließ ihnen keine Zeit, sich viel zu besinnen, sondern gab das abgeredete Zeichen, in-dem er die Hand an sein Ordenskreuz von Alcantara legete. Sogleich metzelte das Fuß-volk alle auf dem Platze befindliche Indianer nieder, die Reuter aber stiegen ab, und stür-meten zum Saale hinein. Man band die Caciquen an die Säulen, und da gestanden sie,wie Oviedo vorgiebt, ihre Missethat, nämlich das Vorhaben, sich zu empören, das ihnendie Castilianer zu Taragua beymaßen. Der Saal wurde sodann ohne weitere Umständein Brand gestecket, und die unglückseligen Leute alle mit einander zu Asche verbrannt. Mitder Königinn hingegen wollte man weit schimpflicher verfahren; sie wurde in Fessel geschlos-Dl'eKöni'ginn se,,, und dem Statthalter vorgestellet, der sie in diesem Zustande nach Sän Domingo füh-wirt> aufge- und daselbst nach der in Spanien üblichen Weise gegen sie verfahren ließ /). Das" ' Urtheil erklarete sie des Hochverraths gegen die Spanier schuldig, und erkannte ihr die
allerschimpflichste unter allen Todesstrafen zu r). Bei) diesem paraguischen Blutbade, wur-de eine unzählige Menge Indianer ohne Verschonen des Alters oder Geschlechtes niederge-metzelt. Ja, als einige Reuter, theils aus Mitleiden, theils aus Eigennütze, einige klei-ne Kinder daraus retteten, und um sie künftig als Leibeigene zu gebrauchen hinter sich auf
die
5) -Herrera wiederholet alle Augenblicke, es sey war, ihre einzige Person in seine Gewalt zu brin-rveder die Beschuldigung noch der Beweis anders- gen, die Caciquen wären sehr begierig, die fpani-
woher, als von des Rokdans Anhange hergekom- sche Lustbarkeit mit anzusehen, worauf er zur Ant-men. Er nennet diese That barbarisch, ja über- wort gab, sie könnten alle mit einander dabey
barbarisch. Gleichwohl war es, wie er saget, kei- seyn. 6 D- 4. Cap.
nesweqes auf alle Caciquen gemünzet. Nach sei- ,) Sie wurde aufgeknüpfet. -Hcrrera 6 V.
nem Berichte erwähnte Anacoana gegen den 4 Cap.
Statthalter, als er vermuthlich nur noch Willens ») Die Franzosen benennettn sie l.r Gonava.