Lbristoph
Lolumbus.
1504.
Hindernisse
derselben.
Weises Ver-fahren desAdmiraleS-
List des Co-lumbus.
!44 Reisen und Entdeckungen
den war, mir Gewalt weg, und sageten, es stehe ihnen frey, die Bezahlung dafür vondem Admirale zu federn, ja wenn er sich weigern sollte, ihn gar todt zu schlagen. SeineAbsicht sey ohne dieß nur, alle Indianer auf dieser Insel auszurotten; zu Veragua habeer es mit den Einwohnern eben also gemachet, und es sey mit dem blutdürstigen Manneweiter nichts anzufangen, als daß man ihm zuvorkomme. Sobald sie am äußersten En-de der Insel waren, unterfingen sie sich, ungeachtet die See damals sehr hohl gieng, überden Seebusen zu schiffen. Kaum waren sie einige Meilen weit gekommen , so waren dieCanote schon voller Wasser. Um sie nun zu erleichtern, warfen sie ihre Gerüche überBord. Als dieses nicht helfen wollte, beschlossen sie, sich die Indianer, die zum Rudern ge-braucht wurden, vom Halse zu schaffen. Als die armen beute das bloße Gewehr, und eini-ge aus ihrem Mittel gestrecket da liegen sahen, sprangen sie ins Wasser, schwammen eineZeitlang neben dein Canote und bathen endlich, man möchte ihnen nur erlauben, daß sezuweilen sich an die Canote halten, und dergestalt etwas erholen dürften. Stakt der Ant-wort hackte man ihnen die Hände ab, worüber viele ersoffen. Unterdessen wurde der Windimmer heftiger und die See so ungestüm, daß der unsinnige Hausen endlich wieder nachdem bände zurück kehren mußte. Hier zogen sie ihre Umstände in Erwägung, ersonnenallerley Anschläge, darauf kein vernünftiger Mensch jemals fallen kann, und versuchten dieUeberfahrt zum zweytenmale. Weil aber die See eben so sehr tobete, als zuvor: so schwärme-ten sie in den benachbarten Dörfern herum und übeten da allen ersinnlichen Muthwillenaus. Nach einem sechswöchentlichen Verweilen, wagten sie das Uebersetzen zum drittenmale,aber mit eben so schlechtem Glücke. Sie ließen hierauf diese Unternehmung als eine schlech-terdings unmögliche Sache gänzlich fahren, und hielten für unstreitig, Mendez und Fie-schi wären alle beyde zu Grunde gegangen. Sie durchstreiften dagegen die ganze Insel,und nöthigten die Einwohner, durch tausenderlcy Drangsale, bebensmittel herbey zu schaffen.
Zwar konnte der Admiral eben sowenig ohne der Indianer Bevstand leben: allein, eswar sein Verfahren ganz anders beschaffen. Seine Leute mußten die gute Ordnung aufdas allergenaueste beobachten, und um ihnen diese Lebensart zu versüßen, sorgete er unauf-hörlich für alles und jedes, was ihnen nöthig siel, begegnete ihnen liebreich, und ermähne«sie auf gleiche Weise. Ueber dieses bezahlete er den Indianern alles, und hatte bisher sichbloß mit dem, was sie freywillig herbey brachten, begnügt. Allein, weil diese Leute nichtgewöhnet waren, sich mit einem großen Vorrathe zu versorgen: so wurden sie es endlich über-drüßig so viele hungerige Ausländer zu füttern, und am Ende selbst Hunger zu leiden.Nebst dem mochten auch die Reden der Aufrührer einige Wirkung gethan haben. Sieblieben also allmählig weg, und die Castilianer sahen sich in Gefahr, vor Hunger umzu-kommen. In dieser Noth besann sich der Admiral auf eine List, welche glücklich von stat-ten gieng. Vermöge seiner Einsicht in die Sternwissenschaft, wußte er, es werde mitnächstem eine Mondstnsterniß einfallen. Damit berief er alle benachbarte Caciquen zusich, unter dem Vorwande, er habe ihnen etwas, das ihr Leib und Leben betreffe, zu eröff-nen. Ein dermaßen wichtiger Bewegungsgrund brachte sie im Augenblicke zusammen. Hier-auf verwies er ihnen erstlich ihre bisherigeKaltsimugkeit, und ihr unbarmherziges Verfahren,und drohete ihnen sodann mit einer unausbleiblichen Strafe, indem der Gott, unter dessenSchuß er stehe, sich schon dazu rüste. Habet ihr nicht gesehen, fuhr er fort, wie es mei-nen
c) -Hercera am angef. Orte. Es ist diese An- Bedenken erzählen, ungeachtet sie der Gottesfurchtgelegenheit dermaßen bekannt, daß wir sie ohne des Admirales keine sonderliche Ehre bringt.