Christoph
Lolumbus.
i;o4.
Wie ihm derKönig Ferdi-nand begeg-net.
DieMeynungdes HofeS istgetheilet.
150 Reisen und Entdeckungen
fasset. Sie empfahl jedwedem, dem sie die Regierung über diese Völker auftrug,, auf dasinständigste, sie eben also wie gebohrne Castilianer zu halten ; und sie erzeigete niemals ei-ne größere Strcngigkeit, als wenn ihre Befehle in diesem Stücke überschritten wurden.Wir haben vorhin gemeldet, wie hart es den Columbeu deswegen, weil sie einigen India-nern "die Freyheit genommen hatten, ergieng. Gleichwohl liebete sie diese Männer. Siekannte den Werth ihrer geleisteten Dienste, und belohnece sie nach Würden. Niemandin ganz Spanien zweifelte daran, ihr Todesfall habe den Ovando von einer schwerenStrafe für das xaraguische Blutbad befrenet. Sie vernahm die Nachricht davon mitäußerstem Abscheuc, und drang in ihrem letzten Willen absonderlich darauf, daß man dieIndianer glimpflich halten solle m).
Doch, es litt durch den Tod dieser großen Königinn niemand größer» Schaden, alsdie Columbeu. Der Admiral sah sogleich, er werde sich um.seine ehemalige Würde einesUnterköniges vergeblich bemühen. Damit man aber, die Schuld nicht ihm selbst bemncssenkönnte: so ruheke er nur einige Monate zu Sevilla aus, und reisete sodann nebst seinemBruder nach Segovien, dem damaligen Aufenthalte des Hofes. Der König empfingsie noch so ziemlich gnädig; und als ihm der Admiral in einem geheimen Gehöre, seinelangen und mühsamen Dienste sehr beweglich vorstellete»), so ließ es Ferdinand an schönenVersprechungen zwar keinesweges fehlen, sie waren aber, wie man bald merken konnte,nicht aufrichtig gemeynet. Will man dem Berichte eines gewissen GeschichtschreibersGlauben beymessen: so war er dem Columbo im Herzen äußerst gehäßig, und erzeigeteihm deswegen nie die allergeringste Gewogenheit, ungeachtet er sich äußerlich stellete, alsob er ungemein viel von ihm halte. Ueber dieses waren die Neigungen der Hofleute gegendie beyden Brüder sthr getheilet. Einige waren der Meynung, man müsse ihnen das ver-sprochene
m) Geschichte der Insel Sän Domingo 4 B.40. 41 S. Herrera; B. iz Cap.
») Man hat uns sogar die Bittschriften, die erin denen noch übrigen zwo bis drey Wochen seines Le-bens übergab, geliefert. In der ersten, „bath er„den König, seiner ihm geleisteten Dienste einge-„denk zu seyn. Er machte ihm erinnerlich, daß ihm„drey Fürsten Dienste angebothen hatten, d»ß die„Königinn ihre Briefe gelesen, und ihm seitdem„mit bcsondererGnade begegnet habe; da Se-Majest-„ein eifriger Christ sey: so stehe die ganze Welt„in der ungezweifelten Meynung, sie würden den„Columben Gerechtigkeit wiederfahren lassen, nicht„nur weil sie beyde den christlichen Glauben, als die„Thüre zu einer neuen Welt eröffnet, und dadurch„sich sehr verdient um ihn gemacht hätten, sondern„auch weil es der König sowohl mündlich, als un-„rer seiner eigenen Hand, versprochen habe. Er ver-sprach , dieser Gnade sich würdig zu machen, in-„dem er seine ganze noch übrige Lebenszeit der Kro-„ne Spanien dienen wolle, und für gewiß glaube,„es würden seine künftigen Dienste hundertmal mehr„eintragt», als die vergangenen. Der König gab„zur Antwort, er sehe genugsam, daß Indien viel
„eintrage, und der Admiral aller ihm zugestande-nen Gnadenbezeugungen höchstwürdigsey, untec-„dessen verdiene doch diese Sache eine reifereUeber-„legung. „ Aus Deysorge, es möchte diese Ue-berlegung sich allzusehr in die Länge ziehen,meldete sich der Admiral zum zweytenmale.„Er bath den König, sich gnädigst zu erinnern, daß„er nach ausgestandener unsäglichen Bemühung,„wider Recht und Billigkeit ins Gefängniß gelegn,„und mit größter Beschimpfung seiner Person, sei-„nes Standes und Amtes, dazu ihn Ihre Maje-„stäten erhoben, seines ganzen Vermögens berau-bet worden sey. Sollte nicht ein Gerechtig-„keit liebender, und bey jedermann beliebter Kö-„nig, seine königliche Müdigkeit äußern , und ihn„bey dem Genusse der selbst ertheilten Vorrechte„schützen? Alles nurbcsagte sey vorgegangen, ohne„ihn nur einmal zu hören, ohne ihm das geringste„Mittel zu seiner Vertheidigung übrig zu lassen,„ohne ihn zu überweisen, ohne ein förmliches Ur-„cheil, mit einem Worte, wider alles Recht und„Billigkeit- Auch erinnerte er den König an dasabermalige Versprechen, das ihm Ihre Majestätenvor seiner letzten Reift gegeben hatten.
Ein