Band 
Dreyzehnter Band.
Seite
296
JPEG-Download
 

296

Reifen und Entdeckungen

Ferdinand er habe ihn hiermit an seinem empfindlichen Orte gekritzelt. Einige Seufzer dieneten sek-Lorte z . 15,9 . ner Antwort statt eines Vorspieles. Endlich schien ihn der Schmerz gänzlich zu bemei-stern. Er brach in die bittersten Klagen aus, daß alle Caciquen in einer schimpflichenLattaue" Knechtschaft, unter dem tyrannischen Joche des blutdürstigen Motezuma leben müßten, undwider denNto, was das ärgste wäre, weder die Stärke es abzuwerfen, noch auch die Einsicht ein Mittel dar-trjuma. zu auszusinnen hätten. Der Wüterich lasse sich von den Unterthanen eben also anbethen,als ob er irgend ein Gott des Landes sey, und solle man seine Ungerechtigkeiten und sein ge-walttharigeS Verfahren mit eben der Ehrerbietigkeit als einen Schluß des Himmels an-nehmen. Nichts destoweniger leide es die Vernunft nicht, die Hülfe für so viele Unglück-selige bey Ausländern zu suchen, nicht nur, weil Motezuma allzumächtig sey, sondern auch,was das.meiste, weil die Mexicaner dem Cortez so viele Freundschaft noch nicht erzeigethatten, daß er ihnen zu einiger Gefälligkeit verbunden wäre, indem cö wider alle Ehrbar-keit liefe, einige geringe Dienste auf einen so hohen Preis zu sehen.

Carle« machet Ein so feiner Vortrag verurfachete dem spanischen Generale nicht wenige Bewunde-chmetne Vor- 2ung. Nichts destoweniger stellete er sich , als ob er ihn nicht anders vermuthet hatte,stinw'Macht. antwortete mit gleicher Großmuth, und versicherte den Cacique, er frage wenig nach dermexicanischen Macht. Die seinige werde von dem Himmel begnadiget, und habe ge-gen Tyrannen eine übernatürliche Stärke. Unterdessen müsse er wegen anderer AbsichtenLn die Landschaft Quiabizlan rücken; daselbst könne ihn jedermann, der über Unrecht zu kla-gen habe, und ein Vertrauen auf feinen Beystand sehe, antreffen. Der Cacique könneunterdessen mit seinen guten Freunden aus der Sache sprechen. Ich versichere, fuhr erfort, Motezuma wird entweder sein tyrannisches Verfahren gar einstellen, oder doch we-nigstens sehr übel dabey fahren, sobald ich sie meines Schuhes theilhaftig machen wer-de F). Nach dieser kurzen Unterredung giengen sie aus einander. Cortez machete un-

verzüglich Anstalt, seinen Zug weiter fortzusetzen. Als er abreisen wollte, erschienen vier-hundert Indianer, trugen das Geräthe, und halfen das grobe Geschütz fortschaffen.

Gehet seinen Die Gegend, durch welche er seinen Weg nach Quiabizlan nehmen mußte, bestund1 Wechselsweise aus fruchtbaren Ebenen und Wäldern, und verurfachete den Spaniern durch

satt'." ^ ihren Anblick viel Vergnügen. Sie blieben des Abends in einem leeren Dorfe, weil sie

ihren Einzug in die Hauptstadt nicht' gern bey Nacht nehmen wollten. Mit anbrechen-dem Tage sahen sie in der Ferne die Gebäude einer ziemlich großen Stadt, auf einer mitFelsen umgebenen Anhöhe. Besagte Klippen schienen ihr statt einer Ringmauer zu dienen.Sie stiegen mit großer Mühe, wiewohl ohne die geringste Widersehung der Einwohner,als welche aus Furcht die Flucht ergriffen hatten, bis an die Stadt. Als sie nach demMarktplahe rückten, kamen aus einigen Tempeln, die ihm zur Zierde dieneten, etwa fünf-zehn Indianer von besonders gutem Altfehen heraus, und bathen mit vieler Höflichkeit,die Spanier möchten es nicht übel nehmen, daß sich der Cacique nebst seinem Volke un-terdessen auf die Seite begeben habe, er werde aber ohne Verzug erscheinen, wenn nurder ausländische General versprechen wolle, ihm gütig zu begegnen. Cortez versprach al-les, was sie verlängeren; und darauf war die Stadt zu seiner größten Verwunderung bey-nahe in einem Augenblicke voller Einwohner. Der Cacique kam zuleht. Er hatte denvon Zampoala bey sich, der ihm gleichsam zum Fürsprecher dienen sollte. Jedweder wurde

von

F) Ebendaß