293 Reisen und Entdeckungen
Ferdinand Mein, Cortez versah die Gefangenen mit einer starken Wache. Als er die Sache recht
Lortex. l;i- überlegte, verursachte ihm sein einmal gegebenes Wort, die Caciguen zu beschützen, nicht
" " wenig Verlegenheit. Er wölke mit dem Motezuma nicht gänzlich brechen. Seine Ab-
steht war nur gewesen, ihm eine Furcht einzujagen. Konnte er aber wohl in diesen Schran-ken bleiben, wenn er, ohne durch eine neue Beleidigung hierzu angereizet zu seyn, die mis-vergnügten Fürsten mit Gewalt der Waffen unterstühete, und dadurch, ohne den geringstenVorwand auf seiner Seite zu haben, allem gütlichen Vergleiche den Weg abschnitt?Auf der andern Seite war ihm äußerst viel daran gelegen, die Anhänger, welche ihm dasGlück gleichsam bey der Hand zuführete, und auf die er sich im Nothfalle stützen konnte,nicht zu verkästen. Der Entschluß, den er als den sichersten ergriff, war dieser, er wolledie Gunst des Motezuma noch zur Zeit soviel möglich beybehalten, und ihm in dieser Absichtweis machen, als ob sonst niemand, als er, die Wirkungen des Aufruhres gehemmet habe.Die Aufrührer hingegen wolle er so lange nicht öffentlich unterstützen, bis ihm irgend einanderer Zufall eine scheinbare Ursache darzu gebe. Zwar schien es schwer ;» seyn, dem Hofe vonseinem vorgeblich geleisteten Dienste Nachricht zu geben: allein, seine Scharfsinnigkeitwußte für alles ein Mittel auszudeuten. Er ließ bey der Nacht zween Gefangene vorsich koinmen, gab gegen sie vor, er trage an dem, was ihnen wiederfahren sey, nicht die ge-ringste Schuld, sondern er wolle sie vielmehr hiermit in Freyheit setzen, und möchten sieden Kaiser versichern, er wolle ihre in der Caciguen Gewalt befindlichen AmtSgehülfen,gleichfalls mit guter Art zu befreyen trachten. Gleichfalls sey er gesonnen, die Aufrührerauf bessere Gedanken zu leiten; und da er nichts als Friede verlange, so hoffe er, manwerde ihm in Betrachtung seines ehrerbiethigen Verfahrens gegen den Kaiser, die Höflich-keit , die ihm als Bokhschafter eines sehr großen Monarchen gebühre, nicht länger verwei-gern. Nachgehends ließ er die beyden Mexicaner unter einer guten Bedeckung auf dieSchiffe bringen, und in einer Schaluppe außerhalb dem zampoalischen Gebiethe aus Landsetzen. Den folgenden Tag erzahleten ihm die Caciguen mit großer Bestürzung undTraurigkeit, es wären zween Gefangene entwischet. Cortez stelleke sich darüber entrüstetund verdrießlich, polterte heftig über die Nachläßigkeit der Wache, und nahm eben dieseUnachtsamkeit zum Vorwande, in Gegenwart der Caciguen zu befehlen, man solle dieübrigen Beamten des Motezuma auf die Flotte bringen, wo sie gewiß so leicht nicht ent-wischen würden. Aber ins geheim befahl er, sie wohl zu halten. Diese List, dadurch erdas Vertrauen der Caciguen und des Kaisers zugleich beybehielt, wissen seine Landesleutenicht genug zu erheben r).
kortez schließt Die angenommene Sanftmuth der Castilianer, und der Eifer, den sie für ihre Bun-
viele Dünd, desgenosten bezeugeken, wurde gar bald in allen umliegenden Gegenden ruchbar. DieCaciguen von Zampoala und Quiabizlan berichteten ihren Nachbarn ungesäumt, wieglücklich sie unter dem Schutze einer unüberwindlichen Nation waren, welche ihre gehei-mesten Gedanken durchdringe, und nach aller Macht des mepicanrschen Reiches, sehr we-nig frage. Es fasteten also noch mehrere Caciguen die Entschließung, sie wollten sich beyihrem bedrängten Zustande unter diesen mächtigen Schutz begeben K). Innerhalb wenigTagen kamen ihrer über dreyßig und zwar meistens von dem unweit der Stadt gelegenen
Ge-
r) Dia; und Golis am angef.Orte. Herrera Ebendas.
5 B. und n Eap- /) -Herrera saget, sie hätten ihm über hundert