Z2O Reisen und Entdeckungen
Ferdinand Anfänglich hatte ihre Freude keine andere Ursache, als den Sieg, der ihnen so wenigLortex. i;«-. ^kostet hatte: allein, sie wurde um ein ziemliches vergrößert, als man von den Gefange-' ^ nen erfuhr, was für eine Hoffnung die Feinde sich gemachet hatten. Cortez zweifelte im ge-
ringsten nicht, es werde der Ruhm, den ihm eine Begebenheit von dieser Art allerdingsbeylegen müsse, zum glücklichen Ausgange seines Vorhabens, weit mehr als die GewaltDer Rath der Waffen beytragen. Es kam auch der gesammte hohe Rath von Tlascala in der Thatentschließt sich auf die Gedanken, diese unüberwindlichen Ausländer wären keine andere, als die himmlischenjum Frieden. Geschöpfe, davon ihre Weißagungen erwähneten, und er besorgete, den äußersten Zorn desHimmels auf sich zu laden, wettn er ihre Freundschaft länger verschmähe. Um ihn nunzu versöhnen, schlachteten sie vorläufig ihren Göttern einige verlogene Zauberer statt einesVersöhnopfers. Nachgehends dachten sie auf eine Gesandtschaft, welche Friede schließensollte, und befahlen unterdessen dem Ticotencatl, alle Feindseligkeiten sogleich einzustellen.Allein, dieser trohige Indianer war mit dem Entschlüsse seiner Obern sehr schlecht zufrie-den, und gab ihrem Abgeordneten zur Antwort: das Kriegesheer sey der wahre hohe Rath;und weil denn die Väter des Vaterlandes der: Ruhm desselbigen hindansetzeten: so wolle erXicotencail für seine Person dafür sorgen s). Zwar maß er dem tollen Vorgeben der Zauberer keinenfetzet sich dage-Glauben mehr bey, er Hoffete aber doch noch immer, die Ausländer durch einen nächtli-^ chen Ueberfall in ihren eigenen Mauern zu erlegen. Sein letzteres Unglück schrieb er bloß
seiner Unvorsichtigkeit zu, indem er sie, ohne die eigentliche Beschaffenheit ihres Lagers zuwissen, angegriffen habe; und in dieser Meynung beschloß er, es durch einige Kundschafterauf das genaueste in Augenschein nehmen zu lassen. Weil die Spanier reichlich bezahlten,so trugen ihnen die Einwohner der benachbarten Dörfer ohne Bedenken Lebensmittel zu. Er ver-kleidete also vierzig auserlesene Soldaten als Bauern, gab ihnen Früchte, Geflügel und Maiszu tragen, und befahl ihnen, die Gegenden, wo man dem Orte am leichtesten beykom-men könnte, zu bemerken i-). Einige Geschichtschreiber geben vor, die vierzig Kundschaf-ter wären unter dem Vorwande, einige Friedensvorschlage in des Ticotencatls Namen zuthun, inä Lager gekommen, bey welchen Umständen die Unachtsamkeit der Spanier aller-dings leichter zu entschuldigen wäre. Soviel ist gewiß, daß die verkleideten Indianer insLager kamen, einige Stunden lang darinnen blieben, und von einem Zampoalaner zuerstentdecket wurden, indem er wahrnahm, daß sie die Höhe der Mauer ungemein genau be-trachteten. Cortez ließ sie cllif erhaltene Nachricht sogleich beym Kopfe nehmen, und pres-set«: von einigen das Gestandniß durch die Folter heraus. Sogleich ersann er einen An-schlag, der eine bessere Wirkung that, als er es selbst vermuthet hatte. Er stellete sich, alsob er des Ticotencatls Vorhaben durch eine über allen Verstand der Indianer erhabene Ein-sicht errathen hätte, schickste ihm den größten Theil seiner Kundschafter zurück, und ließihm sagen, die Spanier frageten nach List und Ränken eben so wenig, als nach offenbarerGewalt; er könnte immer kommen, wenn es ihm beliebete, und habe man dem größten Theileseiner Kundschafter das Leben ausdrücklich deswegen geschenket, damit sie ihm ihre Beobach-tungen melde), könnten. Damit ließ er die Kerl laufen,vorher aberliesi er sie, um dem india-nischen Heere zugleich ein Schrecken einzujagen, auf allerley Weise verstümmeln c). Die-ser grasliche Anblick erweckete dem Kriegeövolke, das schon im Anrücken begriffen war, so
viel
e) Er ließ etwa vierzehn bis fünfzehn die Hände,
Leo
») Solls ebendas.ö) Ebendas.