354 Reisen und Entdeckungen
Ferdinand dem er die Schwierigkeiten bey einem so kühnen Unternehmen erwogen, weit weniger dabey,Lorte,. i;>9. als bey allen ander» Entschließungen; und ließ sich vornehmlich angelegen seyn, die Vor-' ^ ^ theile vorzustellen, die er mit dem glücklichen Erfolge desselben verbunden zu seyn glaubete,
wovon er denn eine so scheinbare Abschilderung machte, daß er die ganze Versammlungauf seine Meynung zog r).
Er will den Die Geschichte hat kein anderes Beyspiel einer Kühnheit von dieser Art. Cortez aberKaiser gefan-sah, daß er auf gleiche Art verloren war, er mochte nun sich zurück ziehen, welches ihmgen nehmen, seinen Ruhm nahm, oder sich in seinem Posten behaupten, ohne solchen wieder herzustel-len und ihn durch eine außerordentliche That zu vermehren. Es ist keine Verwegenheit, dieAugen vorder Gefahr zu verschließen, wenn die Klugheit keine andere Hülfsmittel dar-beut ; und die Spanier, welche über dieses gewohnt waren, das Glück gleichsam an ihreWaffen gefesselt zu sehen, konnten sich nicht überreden, daß es müde geworden, ihnen zumBesten alles zu thun, nachdem es sie, durch eine Folge von Wunderwerken, so weit gefüh-rt hatte. Allein, was für einen Namen man auch ihrer Entschließung geben will, sowandten sie doch alle ihre Sorge darauf, solche geschickt auszuführen. Damit Cortes beyden Mexicanern keinen Lärm machen möchte, so wählete er die Stunde, worinnen er denKaiser ordentlich bcsuchete. Er gab Befehl, das ganze Heer sollte in dem Quartiere dieWaffen ergreifen, die Pferde gesattelt werden, und alle diese Bewegungen ohne Geräuschund Aufsehen geschehen. Nachdem er darauf durch einige Brigaden den Eingang der vor-nehmsten Straßen besehen lassen, welche zum Pallaste giengen: so begab er sich, in Beglei-tung des Alvarado, Sandoval, Velasquez von Leon, Lugo und Avila, nebst einer Bedeckungvon dreyßig auserlesenen Soldaten dahin. Man wunderte sich eben nicht darüber, daßman sie mit ihrem Gewehre hineingehen sah; weil sie es zur Gewohnheit gemacht, solchesals einen Soldatenschmuck zu tragen. Motezuma empfing sie ohne Mistrauen; und dieBedienten begaben sich nach der eingeführten Gewohnheit in ein anderes Zimmer. Nach-dem die Dolmetscher herbey gekommen waren: so nahm Cortes ein verdrüßliches Gesichtan und fing an, sich zu beklagen. Er schilderte den Ueb^muth des Qualpopoca lebhaftab, welcher die Spanier, ungeachtet des Friedens und des Schuhes des Kaisers, wor-auf sie sich verlassen sollten, zu Vera Cruz angegriffen hätte. Er gab die Hinrichtung ei-nes seiner Soldaten, weicher von den Mexicanern mit kaltem Geblüts getödtet worden,um vermuthlich den Schimpf ihrer Niederlage dadurch zu rächen, für das allerabsckeulich-ste und schändlichste Verbrechen aus; und da er sich immer mehr und mehr erhihete, sogab er dem Qualpopoca und seinen Hauptleuten noch gehäßigere Namen, daß sie sich un-terstanden hätten, bekannt zu machen, sie hätten diesen Angriff auf des Kaisers Befehlgethan. Er seßete aber hinzu, er hätte diesem unanständigen Vorgeben kein Gehör ver-liehen , sondern es als ein anderes Verbrechen angesehen, welches die Ehre seiner Majestätverkehrte. Motezuma schien verlegen zu seyn; und da er die Farbe veränderte, so betheu-erte er, dieser Befehl wäre nicht von ihm gekommen. Cortez antwortete: er wäre davonüberzeuget, die spanischen Soldaten aber würden sich dessen nicht so leicht überreden; und
die
l) Diaz del Castillo giebt vor, er und einige Die andern Nachrichten aber geben ihmdieseEhreandere hätten dem Feldherrn diesen Rath viele Ta- nicht; und Solls, der es ihm verweist, daß erge vorher gegeben, ehe man von demjenigen Nach- sich den Ruhm von den größten Anschlägen habericht erhalten hätte, was zu Vera Cruz vorgienge. zueignen wollen, zieht ihn hier damit auf, daß er
nicht