in America. V Buch. IX Cap. Z55
die Unterthanen des Kaisers würden nicht unterlassen, dem Berichte des Heerführers zu Ferdinandglauben, wenn diese Verleumdung nicht durch ein öffentliches Bekenntniß des Gegentheils Eorte;. >;iA.ausgetilget würde: in dieser Absicht wollte er seiner Majestät vorschlagen, sich ohne Ge- ^rausch, und als aus eigener Bewegung in das Quartier der Spanier zu begeben, und da-selbst einige Zeit mit seinen Freunden zuzubringen; ein so großmüthiges Vertrauen werdenicht nur den Verdruß des mächtigen Monarchen, der ihn abgeschickt hätte, und den Arg-wohn der Soldaten heben, sondern auch zu seiner Ehre gereichen, indem es einen Schand-fleck derselben auswischte; er gäbe ihm im Namen des größten Fürsten der Erde seinWort, er sollte unter den Spaniern mit aller ihm schuldigen Ehrerbiethung gehalten wer-den; und sie hätten keine andere Absicht, als sich seines guten Willens zu versichern, umihm mit mehr Verehrung und Gehorsame Dienste zu leisten re).
Cortez schwieg; und Motezuma, der über einen so fremden Antrag stuhete, blieb Ausführungvor Zorne oder Erstaunen gleichsam unbeweglich. Da dieses Stillschweigen einige Augen- dieses Borha-blicke gedauert hatte: so fuhr Cortes, welcher nicht eher Gewalt brauchen wollte, als bis°^'er die Hoffnung verloren, durch List und mit Gutem etwas auszurichten, fort, und stel-lete ihm vor, die Wohnung, die er den Spaniern gegeben, wäre einer von seinen Pallä-sten, wo er ihnen oftmals die Ehre erwiesen, sie zu besuchen, und seine Unterthanen wür-den sich nicht verwundern, daß sie ihn einige Tag? daselbst zubringen sähen, vornehmlichum sich wegen einer Beschuldigung zu rechtfertigen, die seiner Ehre nachtheilig fiele. End-lich verlor der stolze Monarch die Geduld; und da er es nicht verhehlete, daß er den Be-wegungsgrund dieser Anforderung wohl einsähe, so antwortete er auf eine ziemlich troßigeArt, ein Kaiser von Mexico wäre eben nicht für das Gefängniß gemacht; und wenn erauch fähig seyn würde, sich so weit herab zu lassen, so würden sich doch seine Unterthanenwidersehen. Darauf nahm Cortez einen festem Ton an und meldete ihm, wenn er mitguter Art nachgäbe, ohne die Spanier zu nöthigen, die Ehrerbiethung hindan zu sehen,die sie für ihn hätten, so bekümmerte er sich wenig um den Widerstand seiner Unterthanen,wider welche er alle Tapferkeit seiner Soldaten anwenden könnte, ohne daß die Freund-schaft, die er mit ihm unterhalten wollte, - den geringsten Abgang darunter litte. Dies«
Streitigkeit dauerte lange. Cortez schmeichelte sich stets, ihn durch eine mit Ehrerbie-thung vermischte Hoheit zu bewegen. Motezuma, welcher anfing, die Gefahr zu entde-cken, worinnen er war, that verschiedene Vorschläge. Er erboth sich, den Qualpopocaund alle Befehlshaber gefangen nehmen zu lassen, und sie dem Cortez auszuliefern. Erwollte seine beyden Prinzen zu Geißeln geben- Er wiederholte mit einer heftigen Bewe-gung, man dürfte nicht befürchten, daß er davon laufen und sich in den Gebirgen verste-cken wollte. Cortez schlug alle diese Anerbiethungen aus. Der Kaiser ergab sich nicht.
Indessen waren über drey Stunden hingegangen; und die spanischen Befehlshaber fingenan, über einen so langen Verzug unruhig zu werden. Velasquez von Leon sagete öffent-lich aus Ungeduld, das Reden wäre vergebens; und man müßte sich seiner bemächtigenoder ihn erstechen. Motezuma wollte von der Donna Marina wissen, was man mit so
Py 2 vieler
nicht noch einige Tage einen Nach verschoben, wel- wenn sie nicht durch alles das wahr gemacht wür-cher frühzeitiger lächerlich gewesen. de, was in der Geschichte gewiß ist; und diese
») Diese Begebenheit hat ein so fabelhaftes An- Ursache verbindet uns, alle Umstände davon anzu-sehen, daß man sich nicht dabey aufhalten würde, führen.
/