in America. V Buch. IX Cup. 391
sen, ohne weiteren Verzug abzureisen. Ungeachtet nun dieser Befehl mehr aus Furcht, Ferdinand
als aus ernstlicher Zuversicht auf seine Gewalt herrührete: so antwortete doch Corkez, wel- Torrex. l;r->.cher die Nothwendigkeit seines Abzuges von selbst begriff, er sey bereit zu gehorchen, nur " ^ '
bitte er, der Kaiser möge den Mexicanern befehlen, daß sie, ehe einige Spanier den Fuß
aus dem Quartiere setzeten, das Gewehr niederlegen mußten. Doch sagete er auch zugleich, Cortez ver-um seine Bereitwilligkeit mit einigem Stolze zu vermischen, es bewege ihn keinesweges die spricht abzu-Halsstarrigkeit der Aufrührer, sondern die bloße Ehrerbiethung gegen Seine Majestät zu ^hen,diesem Entschlüsse. Er überlasse aus eben dieser Ursache dem Kaiser die Bestrafung der-sclbigen, und trage übrigens die Sicherheit seines Abzuges an der Seite. Motezuma, dersich keine so schleunige Willfahrung vermuthet hatte, schien über diese Antwort sehr vergnügtzu seyn, und beschäfftigte sich bloß mit Ausfertigung seiner Befehle, damit die angehängteBedingung, die ihm sehr billig vorkam, erfüllet werden möchte.
Indem er damit umgieng , wurde an allen Orten des Quartieres lärm geschlagen. Kann nichtCortez lief sogleich zu, und fand seine Leute in völliger Arbeit, einen abermaligen Sturmder Mexicaner abzuwehren: denn diese renneten gleichsam wie die Blinden an, und weil Sturmes,die hintgxsten beständig fortdrängeten: so waren die.vordersten, ehe man es sich versah, amWalle*"' und nicht wenige bestiegen ihn an mehr als einem Orte. Zum Glücke hatten dieSpanier auf dem großen Schloßplätze einige Mannschaft im Hinterhalte stehen; mit selbi-ger verstärkte man die schwächesten Stellen. Gleichwohl war dem Cortez seine Hurtigkeitund sein unverzagter Muth noch nie so nöthig, als diesesmal gefallen. Als Motezuma erfuhr,wie mißlich es um die Spanier aussähe: so ließ er dem Generale melden, er halte in Be-trachtung der dringenden Umstände, und ihrer beyderseitigen Abrede für das Beste, daßer sich seinen Unterthanen in Person zeige, er wolle ihnen befehlen, nach Hause zu gehen,den Edelleuten aber, ihre Klage friedlich bey ihm anzubringen. Cortez willigte um so viellieber in dieses Vorhaben, weil seine Soldaten dadurch Gelegenheit bekamen, etwaszu verschnauben.
Ungeachtet der Kaiser in großen Sorgen stund, was für einen Ausgang sein Vorha- Motezumaben gewinnen möchte: so bekleidete er sich doch in aller Eile mit dem sämmtlichen Schmu- sich spi-cke seiner Würde; er hing den kaiserlichen Mantel um, setzete die Krone auf, und schmück- ^te sich mit den Edelgesteinen, die er sonst nicht trug, als wenn er seine Hoheit in ihremgrößten Glänze zeigen wollte. Dergestalt betrat er, in Begleitung der bey ihm verbliebe-nen mexikanischen Edelleute, denjenigen Ort des Walles, davon die Hauptgasse nach demSchlosse stieß. Die spanischen Soldaten auf diesem Posten stelleten sich ihm in zwo Rei-hen zur Seite. Einer von seinen Hofbedienten bestieg die Brustwehr, und rief den Re-bellen mit lauter Stimme zu, sie sollten dem großen Motezuma Aufmerksamkeit und Ehr-erbiethung widmen, indem er in höchster Person erscheinen, ihr Verlangen anhören, undsie seiner Gnade theilhaftig machen wolle. Auf das bloße Nennen seineZ Namens, ver-wandelte sich alles Lärmen und Schreyen in eine plötzliche Stille. Ein Theil der Aufrüh-rer fiel auf die Knie nieder; andere fielen gar auf ihr Angesicht und küsseten den Boden.
Der Kaiser durchlief die ganze Versammlung mzt den Augen, suchete die Edelleute heraus, Sein« Redeund rief denen, die er kannte, bey ihren Namen, und mit den Ehrentiteln seiner Verwandtenund Freunde, zu. Als nun ihr Stillschweigen eine gute Gesinnung anzuzeigen schien,that er seinem Unwillen eine so große Gewalt an, daß er ihnen wegen ihres Eifers fürseine Freyheit Dank abstattete. Nachgehends versicherte er, ungeachtet sie darinnen viel
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