Z92 Reisen und Entdeckungen
Ferdinand zu'weit grenzen: so sey er doch weit entfernet, ihnen dieses als eine Missethat anzurechnen,'Lorrex. izro . j^dem sie in einer ganz irrigen Meynung stünden; es behielten ihn nämlich die Spanierim geringsten nicht wider seinen Willen bey sich, gleichwie sie gedachten, sondern er bleibefreywillig bey ihnen, theils um ihre Lebensart kennen zu lernen, zum Theile auch ausDankbarkeit gegen die Ehrerbiethung, welche sie ihm jederzeit bewiesen hätten, und um demmächtigen Monarchen, welcher sie abgeschicket habe, seine schuldige Hochachtung zu bezeugen.Nichts desto weniger sey er voritzt entschlossen, sie von sich zu lassen; sie wären auch bereit, von sei-nem Hofe abzureisen; gleichwohl aber könne er mit Billigkeit von ihnen nicht verlangen,daß sie ihm eher gehorchen sollten, als seine eigenen Unterthanen. Hierauf befahl er, es soll-te jedweder, der ihn für seinen Herrn erkenne, das Gewehr niederlegen, und friedlich nachHause gehen, übrigens aber mit seinem gegebenen Worte, und mit der Verzeihung desbisher vorgegangenen zufrieden seyn, gleichwie sie denn damit vergnügt zu seyn, in derThat Ursache hatten.
Wirkung der« Diese Rede, welche bey den Geschichtschreibern ausführlicher zu lesen ist, wurde voinselben. Anfange bis zum Ende in aller Stille angehöret, und kein Mensch hatte das Herz, das ge-ringste dagegen zu sagen. Hingegen schien auch kein Mensch geneigt zu seyn, das.Gewehrabzulegen. Das tiefe Stillschweigen, welches einige Augenblicke dauerte, war ein Zeichender Unschlüffigkeit. Der Lärm erhub sich nur allgemach und stufenweise wieder. Er wur-de durch diejenigen, welche heimlich Oel inö Feuer zu gießen sucheten, angestiftet; und die Anzahlderselbigen mußte fürwahr nicht geringe seyn, wenn sie, wie einige Geschichtschreiber mel-den , bereits einen neuen Kaiser gewählet hatten, oder doch wenigstens wie andere berich-ten , einen zu wählen im Begriffe waren. Endlich brach der Aufruhr mit völliger Ge-walt aus, und stieg bis zum Ausstößen schimpflicher Reden. Man schrie, Motezumasey kein Kaiser von Mexico mehr, sondern ein Nichtöwürdiger, ei» Bösewicht, ein ver-ächtlicher Leibeigener der Reichsfeinde. Er suchete zwar durch Winken sich Gehör zu verschaffen,Motezmna vergeblich; vielmehr kam ein dicker Pfeilhagel auf ihn losgeflogen. Ungeachtet nun zween^ w ndet spanische Soldaten, welche ihm Cortez als eine Leibwache mitgegeben hatte, ihn mit ihren Schil-" ' den nach Möglichkeit zu bedecken sucheten: so wurde er doch von einigen Pfeilen getroffen und be-
kam über dieses einen Steinwurf an den Kopf, davon er sogleich ohnmächtig zu Boden sank.Cortez betrachtete diesen Zufall als das größte Unglück, das ihm bey gegenwärtigen Umstän-den begegnen konnte. Er ließ den unglücklichen Monarchen in sein Zimmer tragen, undeilete mit erstaunlichem Grimme zur Rache. Allein, er genoß das Vergnügen nicht, ihnzu rächen. Sobald die Feinde ihren König sinken sahen, erkannten sie erst die Größe ih-rer Missethat. Es überfiel sie ein solches Entsetzen, daß sie im Augenblicke aus einanderstäubeten, nicht anders als ob sie von dem Zorne des Himmels verfolget würden -').
Der Kaiser kam unterdessen zwar wieder zu sich: es überfiel ihn aber Ungeduld undVerzweiflung dergestalt, daß man ihm, damit er sich nicht selbst Leid zufügen möchte, die
Hände
Ebendas. a. d,i!; und vorhergehenden S, Meldung des Namens anführet, will die Schuld
von des Kaisers Entleibung auf den Cortez selbstr) Einige Geschichtschreiber behaupten, er habe schieben. Es hat aber die Beschuldigung, abfon-«mgefangen, einige Lust zur christlichen Lehre zu derlich, weil bey damaligen Umständen Motezumabezeugen: andere hingegen beschuldigen die Spanier, den Spaniern äußerst nöthig fiel, nicht einmalwas seine Bekehrung betrifft, einer großen Nach- die geringste Wahrscheinlichkeit. Golis widerle-läßigkeit. Noch ein anderer, welchen Solls ohne get sie mit Verachtung- a. d i§S S.