in America. V Buch. IX §ap. Z97
ihre Reise in so kurzer Zeit als möglich verrichten, auch das gegenwärtige Aner- Ferdinandbiethen zur Stunde annehmen wollten, wo nicht, so schwöre er ihnen ewige Feind- Lorrex. izrs.' Haft, welche nicht eher als mit ihrer gänzlichen Vertilgung ein Ende nehmen sollte. , Er ^ ^
wisse bereits aus der Erfahrung, daß sie keineswegeS unsterblich wären, und sollte ihmgleich eines jedweden Spaniers Kopf zwanzigtausend Mann kosten: so blieben ihm dochLeute genug übrig, seinen letzten Sieg zu besingen. Cvrtez antwortete darauf mit Beschei-denheit und untermischtem Trotze, er habe sich nie für unsterblich ausgegeben. So kleinaber als die Anzahl seiner Leute sey: so sehr wären sie an Muth und Kräften über alle ande-re Menschen erhaben, und getraue er sich mit ihrem Beystande das ganze mexikanischeReich zu zerstören. Unterdessen bedaure er von Herzen, daß steh die Mexikaner durch ih-re Halsstarrigkeit ein so großes Unheil zugezogen hätten', und weil seine Gesandtschaft mitdem Tode des großen Motezuma, dessen gnädiges Bezeugen die einzige Ursache seines Ver-weilens an dessen Hofe gewesen sey, ein Ende genommen habe: so sey er ohnedieß gesonnen,abzureisen, und es liege die Bewerkstelligung dieses Vorhabens bloß an billigen Bedingun-gen. Mit dieser Antwort begnügten sich die Abgeordneten, und verlängeren unterdessen,bis man sich näher vergleiche, einen Waffenstillstand. Allein, die Mexicaner hattennichts weniger im Sinne, als ihren Feinden die Wege zum Abzüge zu öffnen. Im Ge-gentheile sucheten sie nur Zeit zu gewinnen, damit sie ihnen alle Wege verhauen, sie engerals jemals in ihrem Quartiere einschließen, und durch eine langwierige Belagerung endlichaushungern könnten, indem sie dergestalt es sey nun über kurz oder lang unfehlbar in ihreHände fallen müßten. Zwar that es ihnen sehr Leid, daß auf diese Weise nicht wenigeCaciquen von des Motezuma Hofstaate, die sich noch immer in des Cortez Gewalt befanden,gleichfalls vor Hunger umkommen müßten: doch es wurde in dem Staatsrathe des neuenKaisers das Urtheil gefällt, sie wären überglücklich, daß sie für das Vaterland stürben.
Der einzige, den sie aus Ehrerbiethung gegen die Götter in Freyheit zu setzen für nöthig an-sahen, war der Hohepriester, welcher ebenfalls in der nur besagten Gefangenschaft saß, undals die zweyte Hauptperson im Reiche verehret wurde. Eben aus dieser Absicht schlugensie hauptsächlich den Waffenstillstand vor, erreichten auch durch diese List den gesuchtenEndzweck. Des 'LHends kamen die vorigen Abgeordneten wieder, und sageten, es wäre,um alle Weitläuftigkeit und Verzögerung abzukürzen, das allerbeste, wenn Cortez einenvornehmen Mexikaner, in welchen der Kaiser ein Vertrauen setzen könnte, aussuchete, undmit seinen Anforderungen abHickete. Indem nun dieses Mittel sehr bequem zu seynschien: so wurde man wegen der Person des Hohenpriesters ohne großen Streit mit einan-der einig. Man unterrichtete ihn demnach sorgfältig, was man zur Beförderung der Ab-reise haben müsse, auch wie viele Geißel, und von welchem Stande, man verlangete. Al-lein , den folgenden Tag merkete man den Betrug; denn man wurde gewahr, der Feindhabe das Quartier in einer weitem Entfernung, als bisher eingeschlossen, er verfertigtevorn an den Dämmen Abschnitte und Schanzen, und habe eine große Anzahl Leute abge-
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ihn thun mußten. Der Geschichtschreiber meldet c) Soli« am angef- Orte a. d. Lrv S.zugleich, e6 habe ihm zwar die Größe der Gefahr
ein Schaudern verursachet, gleichwohl habe er über Einige Geschichtschreiber setzen diesen Ausfall
dieses verwegene Stück mehr Bewunderung, als vor des Motezuma Ableben: allein, es erhellet ausZorn blicken lassen. Am angeführten Orte a. d. dem eigenen Berichte des Cortez an den Kaiser,ro6 und 207 S. daß er nachgehend« erst geschah.