40O Reisen und Entdeckungen
Ferdinand gen unter Anführung seiner Oberhäupter fortrücken, um den Damm stufenweise zu gewln-Lortt). I5L°. nen, und blieb nebst seinen besten Leuten bey dem Uebergange stehen. Allein, ehe das' ^ ' Haupttreffen noch völlig herüber war, wurde man schon genöthiget, das, Gewehr zu
ergreifen.
Werden ange« An diesem Orte sehet die Geschicklichkeit der Mexrcaner die Geschichtschreiber in großefallen. Verwunderung. Sie hatten alle Bewegungen ihrer Feinde mit einer Verstellung, dieman ihnen nimmermehr zugetrauet hatte, angesehen. Sie mochten nun die gefaßte Ent-schließung der Spanier wegen ihres Abzuges erfahren haben, auf was für Weise sie wollten:so wendeten sie doch die erste Hälfte der Nacht darzu an, den See an beyden Seiten desDammes mit einer erstaunlichen Menge Fahrzeuge anzufüllen; und weil ihnen die Dun-kelheit gleichfalls zu statten kam: so warteten sie mit dem Angriffe so lange, bis der Vor-trab weit genug auf dem Damme fortgerücket war. Ihr Unternehmen war so ordentlichveranstaltet, daß in eben dem Augenblicke als sie ein entsetzliches Feldgeschrey und Getönemit ihren Feldspielen erhuben, auch die Pfeile angeflogen kamen. Da nun ihre Land-macht zu gleicher Zeit den Nachzug überfiel: so wurde das Gefecht allgemein, und diedrey spanischen Haufen hatten bey ihrer damaligen Stellung den Nachtheil, daß sie wederzusammenstoßen, noch einander beystehen konnten. Daher wurden sie auch ungemein übelzugerichtet, und es gesteht Cortez in seinem zweyten Berichtschreiben selbst, wenn die Me-picaner die Vorsichtigkeit gebrauchet, und bey ihrem Ueberfluffe am Volke, das Endevom Damme besetzet hatten: so wäre kein Mann von seinen Leuten davon gekommen,sondern es hatten diese braven Kriegesleute ihr Grab alle mit einander in dem See ge-funden F),
Als
F) Es ist nicht zu verwundern, daß die Be-richte der Geschichtschreiber etwas von der Verwir-rung, und Dunkelheit dieser blutigen Nacht an sichhaben- Allein, obgleich es ihrer Erzählung ebensowohl an Ordnung als Wahrscheinlichkeit fehlet:so bringen wir doch diejenige bey, welche Sollsaus andern noch verwirrtem zusammen gelesen hat.Das ganze Heer, saget er, wäre ohne einzige Hülfeverloren gewesen, wenn die Zndianer wahrendenGefechtes eine eben so gute Ordnung beobachtethätten, als beym Angriffe. Allein, weil sie ihrenZorn nicht zu mäßigen wußten: so fielen sie nurHaufenweise auf das Hauptcreffen los, und zwarin einer so schrecklichen Unordnung, daß die Ca-nste von dem heftigen Anprallen an dem Dam-me in Trümmern giengen. Das Gemetzel unterdiesem nackenden und verwirrten Schwärme warentsetzlich. Die Spanier verloren von dem unab-läßigen Stechen, Hauen und Zuschlagen alleKräfte. Noch schrecklicher gieng es bey dem Vor-kpabe her. Denn die Zndianer sprangen entwederwegen der Entfernung, oder weil ihnen das Ru-dern zu langweilig vorkam, ins Wasser, und strän-
gen in so großer Menge auf den Damm, daß sichkeiner vor dem andern rühren konnte. Dergestaltwurden sie von den Spaniern ohne Mühe getren-net, niedergehauen, und nachgehend« mit ihrenLeibern der Graben ausgefüllet, also daß die Spa-nier statt einer Brücke darüber giengen. Diesesnun behaupten viele Geschichtschreiber. Anderehingegen geben vor, man habe einen ziemlich brei-ten Balken gefunden, den die Feinde bey dem Ab-werfen der zweyten Drücke liegen lassen, über die-sen wären die Soldaten einer hinter dem anderngegangen, und hätten ihre Pferde neben sich her-schwimmen lassen. Dergestalt sehete, wie sie sa-gen, der Vortrab seinen Zug immer fort, ohne daßihn die letzte Oeffnung lange aufgehalten hätte, weilan demselbigen Orte die Tiefe des See« wegen derNahe des Landes schon gewaltig abnahm. Durchdas noch übrige Wasser wadetc man, und danketedem Himmel dafür, daß die Mcxieaner das Endedes Dammes nicht besetzet hatten, noch die Spa-nier, welche äußerst abgemattet, auch zum Theileverwundet waren, und über dieses bis an den Gürtelim Wasser gegangen, an diesem Orte empfingen.
Unter-