in America, v Buch. IX Cap. 421
Als der Tag zu grauen anfing, stießen die sämmtlichen Ueberbleibsel des Heeres am FerdinandUfer des Sees zusammen, und seßeken sich beyTaoiba, einer sehr volkreichen Stadt, da-Cortez. -zr«.von die Hauptgasse in Mexico den Namen hatte. Zwar mußte man wenig gutes von den " ^ '
Einwohnern gewärtig seyn; unterdessen erachtete Cortez für nöthig, es darauf ankommen zulassen, nicht nur deswegen, damit sein Abzug umso vielweniger das Ansehen einer Flucht ha-ben möchte, sondern auch, und zwar hauptsächlich, um diejenigen, welche etwan aus demGefechte entkommen seyn möchten, an sich zu ziehen. Er rettete auch durch diese Vorsich-tigkeit in der That einige Spanier, und eine ziemliche Anzahl Tlascaler, welche das Ufer Verlust derdes Sees mit Schwimmen erreichet, und sich nachgehends auf dem Felde verkrochen hat-Spanier,ten. Als man hierauf das ganze Heer durch die Musterung gehen ließ, fehleten zwey hun-dert Spanier, mehr als tausend Tlascaler, und die sämmtlichen mexikanischen Gefangenen.
Diese letzteren waren zum Theile in der Dunkelheit entwischet, zum Theile hatten sie das Le-ben durch die Waffen ihrer eigenen Landesleute verloren. Aguilar und Marina waren al-le beyde höchst glücklich über den See gekommen. Das gesammteHeer bezeugte über ihreErhaltung ganz ungemeine Freude, indem jedermann wohl wußte, wie nothwendig vor-itzt diese beyden Personen wären, daeS daraissankomme, durch unbekannte oder verdächtigeVölkerschaften zu ziehen, oder auch diejenigen, von denen man einigen Beystand hoffenkonnte, zu gewinnen. Nichts schmerzeke den Cortez so sehr, als der Verlust seiner Befehls-haber; unterdessen, da der brave Alvarado den Zug des Heeres anordnete, setzete er sichauf einen Stein, überlegete die gegenwärtigen Umstände, und zog sich dieselbigen derge-stalt zu Gemüthe, daß ihm die Thränen über das Gesicht rosteten. Man bemerkete die-se Bekümmerniß , und es erwarb ihm dieses Merkmaal seines mitleidigen Gemüthes beyseinen Leuten eben so große Liebe, als sein unerschrockener Muth und vorsichtiges Verfahrenihm bisher Hochachtung erworben hatten.
Es
Unterdessen sehte Cortez, welcher nebst dem San-doval, Olid,Avila, Mvrla und Dominiquez nochimmer auf dem Damms war, mit dem Degen inder Faust, in das dickeste Handgemenge hinein, undmunterte seine Leute mit Worten und Beyspielenauf. Er ließ das grobe Geschütz, weil es den Wegversperrete, miteinander ins Wasser werfen. Undindem er den Feind zurück trieb, mußte der Zug inder Mitte fortgesetzet werden. Sein Herz hätteihm zerspringen mögen, als bey stockfinsterer Nachtder Wind das Klaggeschrey der Spanier, welchein ihrem letzten Augenblicke den Himmel um Hülfeanfleheten, seinen Ohren zuführete. Es kam setzbiges aus einer Gegend der Stadt, dahin man umso viel weniger Hülfe abschicken konnte, weil derFeind die fliegende Brücke zerbrach, ehe noch derNachzug völlig darüber kommen konntte- An diesemOrte litten die Spanier den größesten Verlust. Dielangsamsten wurden sämmtlich niedergemacht, unddie meisten daruurer hatten vor der schweren Lastdes vielen zu sich gesteckten Goldes nicht geschwindgenug fortzukommen vermocht. Endlich brachAllgem. Reisebeschr. XIII Band.
Cortez mit den Ueberbleibftln seines unglückliche»Nachzuges glücklich durch. Der Hauptanführerdesselbigen, Alvarado, rettete sein Leben durch einWagstücke von Stärke und Hurtigkeit, das beynaheallen Glauben übersteigt. Als er sich auf allen Seite»angesprenget, sein Pferd getödtet, und vor sich ei-nen breiten Wassergraben sah, stemmete er dasEnde seiner Lanze an den Boden des Grabens,schwang sich in die Luft, und sprang dergestalt vonder bloßen Stärke seiner Arme unterstützet, glück-lich auf das jenseitige Ufer. Man hat diese Bege-benheit für ein Wunderwerk angesehen. Diaz giebtsie natürlicher Weise für unmöglich aus, und alsnachgehends Alvarado selbst den Ort wieder besich-tigte , gab er zwischen der Sache und ihrer Mög-lichkeit einen Unterschied zu. Johann Velasquezvon Leon, Amador von Lariz, Franz von Morla,Franz von Saleedo, und noch andere Befehlsha-ber des Nachzuges, büßeten nach einem ritterlichenGefechte ihr Leben ein- Der Sterndeuter Dotcllowar einer von den ersten, welche bey dein Angriffedes Dammes umkamen. Solls 4 B. 2;-- u. f. S.Ee e