irr America. V Buch. IX Cap. 425
Als Cortez bald darauf alles dieses selbst zu Gesichte bekam, gerieth er in ein Erstau- Ferdinandneu, das ihm keine andere Gedanken übrig ließ, als den Beystand des Himmels anzufle- Lorre». i;r->.hen. Er konnte nicht begreifen, woher so viele bewaffnete Leute kämen? und als ihm die '
Tlascaler diejenigen, die ihm vorher aufgestoßen waren, an ihren Fahnen kenntlich mach- ^
ten, und den Weg, den sie bey einem dermaßen geschwinden Zuge hatten nehmen müssen, - '
erkläret«!: so begriff er, warum man ihn den seinigen so ruhig habe fortsetzen lassen. Weilihm nun voritzt keine andere Hoffnung, als die Tapferkeit seiner Leute, übrig war: so sageteer ihnen rund heraus, hier müßte man entweder siegen oder sterben. Hierauf beschloß er,sich in der Gegend, wo das Thal am engsten war, einen Weg durch die Feinde zu öffnen; ,denn weil es ihnen daselbst an Raume, sich vor ihm auszubreiten, fehlete: so hatte er nur mitdenen zu kämpfen, welche auf besagtem Platze stunden, der ganze übrige Schwärm aufbeyden Seiten blieb entweder gänzlich unnütz, oder konnte doch wenigstens wegen der Ent-fernung , ihm wenig Schaden zufügen. Diesem Entwürfe zu Folge, machte er aus seinemFußvolke nur einen einzigen Zug, und spickete alle Glieder Wechselsweise mit Kugelbüchsenund Piken. Die Reuterey, welche schon im Besitze war, die Mericaner durch das bloßeTummeln ihrerPferde zu verjagen, wurde zum Theile vorausgeschicket, um die ersten Glie-der der Feinde zu durchbrechen, zum Theile mußte sie den Rücken frey halten, und die Ver-einigung der Feinde verhindern. In dieser Ordnung zog man den Berg hinab. Der er-ste Gruß aus den Kugelbüchsen und Armbrusten geschah mit solcher Fertigkeit und guterWirkung, daß die gegenüberstehenden Feinde nicht einmal Zeit hatten, ihrePfeile und Wurf-spieße zu gebrauchen. Gleich darauf fiel man mit dem blanken Gewehre über sie her, unddie Reutcrey durchbrach alles, was ihr im Wege stund. Bey diesem ersten Angriffe ge-wann man ziemlich viel Platz. Gleichwohl fochten die Mexicaner mit unbeschreiblicherHartnäckigkeit. Hatte man sie mit dem Schießgewehre und der Reuterey zum Weichen ge-nöthiget: so trieb sie eine entgegen gesetzte Bewegung wieder auf die vorige Stelle. Der-gestalt glich, wie ein gewisser Geschichtschreiber saget, das Thal einem Meere, dessen Wel-len durch Ebbe und Fluth, bald hin und her getrieben wurden. Cortez führete seine Reu-ter in eigener Person an, und würgeke mit seiner Lanze erstaunlich unter den Mexicanernherum. Allein, eben als er besorgete, es möchte das unaufhörliche herum tummeln seinenLeuten zuletzt alle Kräfte benehmen, und bey diesen Umständen seine Augen auf alle Seitenherum warf, kam ihm ein unvergleichlicher Einfall, welchen das Glück gleichsam für dieäußerste Gefahr aufgesparet hatte, in den Sinn.
Als er das kaiserliche Panier in einer mäßigen Entfernung von sich erblickete, er- Glücklicherinnerte er sich an das, was man ihm ehemals davon erzählet hatte, nämlich daß bey die- Einfall,sen Wilden der Gewinn einer Schlacht bloß auf der Hauptfahne beruhe, und der Verlustoder die Eroberung derselbigen auch den Gewinn oder Verlust des ganzen Treffens nachsich ziehe. Da er nun wohl wußte, was für Schrecken und Unordnung die Pferde unterihnen anrichteten: so beschloß er, zur Eroberung dieser Glücksfahne sein äußerstes zu wagen.
Errief den Sandoval, Alvarado, Olid und Avila zu sich, offenbarete ihnen sein Vor-haben , und stürmete damit, in Gesellschaft dieser vier Helden, und einiger von ihren Reu-tern, gerade auf den mexicanischen Feldherrn los. Die Pferde rcnneken alles, was ihnen imWege war, über den Haufen; er brach glücklich bis zum Paniere hindurch, und indem seine
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