in America. V Buch. IX Cap. 417
ihm der Feind den Uebergang über die Brücke nicht streitig gewachst hatte. Seine Reu- Ferdinandterey schere am ersten darüber, kam aber nicht weit, ohne den Feind zu entdecken. Er hatte Lorre;.sich hinter dem Gehölze von neuem geschet. Allein, als ihm die Pferde, davon er nach ' ^ ^
nie eine so große Anzahl beysammen gesehen hatte, zu nahe kamen, und Cortez zugleichsein grobes Geschütz, das auf dem hohen Ufer des Baches gepflanzet war, etlichemal ab-feuern ließ, vergaß er alle listige Streiche, und ergriff eine schimpfliche Flucht. Dasganze Heer zog noch vor Endigung des Tages über die Brücke, und brachte die Nachtohne weitere Vertheidigungsanstalten, als daß man alle Zugänge mit Hauptwachen bese-tzete, in einem unbewohnten Dorfe zu r).
Als man den folgenden Tag weiter fortrückte, kamen zehn Indianer dem Vortrabe Treuloses De-in großer Eile entgegen. Sie hatten alle mit einander nur eine einzige mit einem Gold- ginnen desCa-bleche gekrönete Lanze bey sich, und trugen sie mit einer so ehrerbiethigen Stellung und^".^?o»vielen Ceremonien arffgerichtec daher, daß man sie für ein Friedenszeichen ansah. Es wa- ^ ^ren auch besagte Indianer in der That Gesandten des Cacique von Tezcuco, und ersuche-ten den General in desselbigen Namen, sein Gebieth zu verschonen, indem er nichts sehn-licher wünschet«, als in ein Bündnis; mit ihm zu treten: auch sey er bereit, alle Spanier miteiner bequemen Wohnung in seiner Stadt zu versorgen; nur bäthe er, es möchten dieübrigen Völker außerhalb der Ringmauer bleiben, wo man sie jedoch mit genugjamen Le-bensmitteln versorgen wolle. Cortez befragete die Abgesandten nach aller Länge, sie be-antworteten aber alle seine Fragen, ohne die geringste Verlegenheit zu äußern. Der Vor-nehmste unter ihnen meldete über dieses noch, sein Herr sey über den neuen Kaiser äußerstmisvergnügt, weil ihn derselbige aus bloßer Rachbegierde, daß er ihm bey der Wahl seineStimme nicht gegeben habe, auf das härteste bedränge; er wolle folglich mit den Spa-niern gemeinschaftliche Sache gegen diesen Wüterich machen. Ungeachtet die Geschicht-schreiber den Namen dieses Caciquen nicht melden: so scheint es doch kein anderer, als derCacumazin gewesen zu seyn, das ist eben derjenige, welcher wegen einer gegen den Mote-zuma angestifteten Verschwörung auf des Cortez Betrieb seiner Würde beraubet, von demneuen Monarchen aber in selbige wieder eingesetzet worden war. Wenigstens hält ihndoch Solls aus der Ursache, weil die Spanier seinem Anerbiethen nicht traueten, für den-selbigen. Als Cortez wegen der Antwort auf dieses Anbringen, die Meynung der Be-fehlshaber vernahm: so giengen alle Stimmen einmüthig dahin: es könne diese Höflichkeiteines tödrlich beleidigten Fürsten keineSweges von Herzen gehen; unterdessen müsse mandas Anerbiethen eines freyen Einzuges in diese Stadt für eine Gunst des Himmelsansehen, weil man nunmehr nicht nöthig habe, denselbigen, gleichwie man gedachte, mitGewalt der Waffen zu schaffen. Wäre man nun einmal innerhalb der Ringmauer: sowolle man eben die Vorsichtigkeit als in eiuer mit Sturme eroberten Stadt gebrauchen.
Nach dieser Berathschlagung, gab Cortez den Abgesandten zur Antwort: er lasse sich dasAnerbiethen ihres Herrn gefallen, und er werde seine Aufführung allemal nach der Auf-richtigkeit, die er an seinen Bundesgenossen wahrnehme, einrichten.
Das Heer rückcte hierauf zwar bis an die Vorstadt fort: damit man aber Zeit ge- Entdeck»««winnen möchte, die Gesinnung des Caciquen genauer auszuforschen, so wurde der Einzug desselben,bis auf den folgenden Tag verschoben. Dieser Aufschub war der Spanier Glück. Cacu-mazin
Ebendas. a.d. z8r und vorherg. S.
Allgem. Reisebeschr. xill Band. Ggg