z2o Reisen und Entdeckungen
Beschreib. Martin. Hier spüret man schon eine weit kältere Luft, als im Thale Capanabastla. Denvo'nNeuspa-folgenden Tag zeigeten ihm seine Wegweiser zwischen nur besagtem Orte, und dem daraufnien. , folgenden Wohnplatze, der große Cuchumatlan genennet, die Quelle, woraus der große' ^ Fluß Chiapa dos Indos entspringt. Die Indianer dieser Gegend sind sämmtlich ungemein
dienstfertig gegen Reisende, und versorgen sie, vermöge einer in ganz Neuspanien herge-brachten Gewohnheit, ohne die geringste Bezahlung mit Lebensmitteln; nur verzeichnen sieihre Namen und was sie verzehren, in ihr Register, welches sie zu seiner Zeit den königli-chen Beamten vorlegen, und dagegen einen verhältnißmäßigen Nachlaß ihrer Abga-ben erhalten.
Die übrige Erzählung müssen wir mit des Gage eigenen Worten verrichten. „Als„wir auf dem Wege nach dem nächsten Dorfe begriffen waren, verließ ich die gewöhnli-„che Straße nicht nur, weil dieselbe auf sechs bis sieben Meilen weit nicht das geringste Lab-„sal darboth , sondern auch, weil man mir gesaget hatte, eS sey in einem auf dem Gebir-„ge gelegenen indianischen Dorfe, Chiantla genannt, ein gewisses Gnadenbild anzutreffen.„Indem nun das Dorf nur eine Meile von der ordentlichen Straße lag: so erreichte ich es,„des höckerichten Weges ungeachtet, gegen Mittag. Es gehöret den barmherzigen Brüdern,„welche ohne ihr Gnadenbild an einem so armseligen Orte unmöglich zu rechte kämen:„allein, weil selbiges, wie sie sagen, erstaunliche Dinge thun kann: so wird von allen Or-„ten dahin gewallfahrtet, und es trägt diese Andacht den Mönchen unbeschreiblich viel ein,„dergestalt sind sie in den Stand gekommen, ein Kloster mit einer prächtigen Kirche zu„bauen, darinnen das Bild, auf welchem ihre Einkünfte sich gründen, mit Gold, Dia-„manten und andern Edelgesteinen bekrönet, zu sehen ist. Vor dem Altare hangen zwölf„silberne Lampen. Von eben diesem Metalle waren auch die Leuchter, Rauchfässer und„andere Zierrathen. Alles übrige, zum Beyspiele, die Thronhimmel, die Tapeten, mit„einem Worte alles und jedes war dermaßen kostbar, daß ich sagete, es sey dieses Kloster„in der That ein im Gebirge verborgener Schah. Die Mönche redeten mir den ganzen„Tag von nichts anders als von den Wunderthaten ihresGnadenbiideS vor.
„Als ich den folgenden Tag wieder auf die Heerstraße gekommen war, erreichte ich„das leßte Dorf im cuchumatlanischen Gebirge, Chamlan genannt. Hier zieht man vor-treffliche Trauben am Geländer, und glaub« ich, wenn hier Wein im Lande gebauet„würde, er müßte so gut ausfallen, als der spanische. Man verführet diese Trauben bis„nach Guatimala, welches ungefähr vierzig Meilen von Chautlan liegt. Den folgenden„Tag erblickete ich, nach drey zurückgelegten Meilen, ein sehr angenehmes, und mit einem„Flusse bewässertes Thal. Unten am Gebirge fand ich den Prior von Scapula, einem„benachbarten Dorfe, und einige Indianer aus der dasigen Gegend, welche mir aller-ley Labsal entgegen brachten. Ich erschrak, als ich die Augen zum erstenmale auf diese„Leute warf. Denn sie hatten alle mir einander erstaunlicheKrüpfe, absonderlich aber hing„dem Prior der seinige bis an den Gürtel hinab, und konnte er den Kopf auf keine Seite„mehr, ausgenommen nur noch gen Himmel wenden. Nach seinem Berichte rührete diese„Beschwerlichkeit bloß daher, weil er schon seit zehn Jahren das Wasser aus dem Flussege-
trun-
«) Reise des Thomas Gage H Th. a. d. 271 Reisende sich gar zu gern aufhält. Dahin gehöretund vorhergeh. S- Wir übergehen einige zum der Rath, den ihm ein Mitbruder aus seinem Or-Hauptwerke nicht gehörige Umstände, dabey dieser den ertheilet«, er solle die Ehrenbezeugungen der