542 Reisen und Entdeckungen
Beschreib. BoccaToro hat einen Umfang von fünf und zwanzig bis dreyßig Meilen, und viele kleinevvnNeuspa- Inselchen, darunter eine mit vortrefflichem Wasser versehen ist. Die sogenannte Diego--^ , spitze wird von einem Flüßchen bewässert, in dessen Sande man viele Crocodilleneyer fin-
det, die eben so gut, als Ganseeyer, schmecken. Die dasigen Indianer tragen noch goldenes. Geschmeide; man sollte folglich schließen, es müsse in ihrem Lande, das übrigens weitläuftiggenug dazu wäre, irgendwo Gold vorhanden seyn; und vielleicht wäre es möglich, sich wi-der der Spanier Willen, als welchen weder mehr noch weniger Recht, als jedweder andernNation auf diese Gegend zusteht, hier niederzulassen ?). Der Boden ist zwar, weil esdas Jahr über drey Monate lang regnet, etwas sumpfig, dem ungeachtet aber vortrefflichgut. Er hat schwarze Erde, und gewaltig hohe Baume. Bocca del Drago hängtmit BoccaToro zusammen. Die kleinen Inseln,welche nur etwa zwo Meilen vom Landeliegen, müssen zwar unfehlbar, wenigstens zum Theile, von Indianern bewohnet seyn, weilman bey dem Annähern den Gereich ihrer Früchte oder Speisen empfindet: allein, es kannkein Europäer mit ihnen in Bekanntschaft gerathen. So gar die Flibustiers unterstehensich nicht einmal, Wasser darauf einzunehmen. Sie versuchten es zuweilen in starker Anzahl:allein, es wurde ihnen allemal eine große Anzahl Leute mit Pfeilen todt geschossen , ohnedaß man merken konnte, woher die Schüsse kämen ? und endlich mußten sie davon laufen.Es rennen diese Indianer mit erstaunlicher Geschwindigkeit im Gehölze herum. Seitdemdie Spanier sie zu bezwingen versuchten, führen sie ein umschweifendes Leben. Bald fischensie auf ihren Inseln, bald jagen sie in ihrem Antheile des festen Landes. Mit den bezwun-genen Indianern führen sie ohne Unterlaß Krieg, weil selbige, wie sie meynen, über ihreFreyheit eben so neidisch sind, als die Spanier.
Nach dem Auslaufen von Bocca del Drago folgeren die Freybeuter der Küste bisnach el Portete, einer kleinen Bay , darinnen man gegen alle Winde, nur die westlichenausgenommen, Sicherheit findet. El portete bedeutet so viel, als ein kleiner Hafen.Desjenigen nun, davon wir reden, bedienen sich die spanischen Schiffe, wenn sie mit euro-päischem Gute beladen, auf dem Sucreflusse ankommen, wo die Spanier einige Wohnplätzehaben, und viel Cacao, der für den besten in ganz Indien gehalten wird, pflanzen. VonHier werden ihre Waaren zu Lande nach Carthago gesühret. An der Mündung des FlusscShaben sie einen Feldwäbel mit etwa fünf und zwanzig bis dreyßig Mann, und eine Schild-wache, die beständig nach der See aussthen muß. Die Freybeuter haben dem Suereflusseden Namen, weiße Spihe, beygeleget. Hier findet man Bananas im Ueberflusse. Wirliefen von Suere aus, fährt Oermelin fort, und liefen vor dem Flusse Porto San-Juan,sonst el Desaguador e-) genannt, vorbey, wo wir einige Hayen fingen. Nachgehends liefenwir in die große Bay Bluksvelt, die ihren Namen von einem alten englischen Freybeuter,der sich daselbst aufhielt, bekommen hat. An ihrer Mündung ist diese Bay ziemlich enge,inwendig hingegen räumlich genug, kann aber dem ungeachtet, weil sie nicht über vierzehnbis fünfzehn Fuß Wasser hat, keine andere als kleine Fahrzeuge einnehmen. Das umlie-gende Land ist morastig, und mit einer großen Anzahl Flüsse durchschnitten. In der Bayliegt ein Jnselchen, an welchem man vortreffliche Austern fängt. Unsere Anker warfenwir dieser Insel gerade gegen über, am festen Lande und nicht weit von einer Spitze, dieeine Halbinsel vorstellet. Zwar fanden wir an diesem Orte kein süßes Wasser: wir gruben
aber
k') Ast der Ausfluß des Nicaraguasee, welcherauf der Sei«'gegen das Meer sehr enge wird.
p) Geschichtschreiber der Flibustiers.Eben dieser II Tb. a. d. an S-