m America. V Buch. X Cap. Z4Z
aber Brunnen, die uns mit recht gutem Wasser vcrsorgeten. Unsere Jägersschossen ein Reh Beschreib,und einige Fasanen. Weil sie viele Affen sahen, so kam uns die Lust an, welche zu essen- Sie vonNeuspa-schmeckcn wie Hasen; nur muß man sie wacker salzen. Ihr Fett ist gelblicht und sehr wohl- ^ .
geschmückt. Weil wir uns wegen des wenigen Wildpräteö an diese Thiere halten mußten,und ich erzählen hörete, sie suchten sich zu vertheidigen: so gieng ich einstens aus Neugierig-kcit mit auf die Jagd. Wenn die Jäger herbey kamen, stellten sie sich in große Haufenzusammen, und verübten ein entsetzliches Geheule. Nachgehends rissen sie recht starke,dürre Aeste ab, und warfen sie nach ihren Feinden. Einige hofierten in die Pfoten, undschleuderten uns diesen Mist an den Kopf. Sie verlassen, wie ich bemerkete, ein-ander nie, und hüpfen mit einer Geschwindigkeit, darüber einem das Gesicht vergeht, voneinem Aste auf den andern. Nie fallt einer im Sprunge auf die Erde hinab; glitschen sieirgend, wenn sie sich von einem Baume auf den andern schwingen, so halten sie sich mitden Pfoten oder mit dem Schwänze an den Aesten fest; daher hilft es auch dem Jägernichts, wenn er sie verwundet. Denn wofern sie von einem Schusse nicht Knall und Fallherab stürzen: so bleiben sie an ihrem Aste hangen, bluten sich todt, ohne ihn fahren zu las-sen , und fallen endlich stückweise herab. Was mir aber die größte Verwunderung verur-sachte, war, daß so bald einer getroffen wurde, alle die übrigen in der Nähe vorhandenensich um ihn versammelten,und als ob sie die Tiefe der Wunde zu erforschen gedächten, mit denFingern hinein fühleten. Blutete sie stark, so hielten einige sie zu, andere holeten unter-dessen Blätter, kaueten sie erst, und stopften nachgehends die Wunde sehr geschicklich damit.
Mes dieses habe ich sehr oft und allemal mit Verwunderung angesehen §).
Aus dieser ganzen Küste, das ist in dem ganzen Striche bis an die Hondurasbay, giebtes eine Affengattung, die Faule genannt. Denn so lange als noch ein einziges Blatt aufdem Baume ist, bleiben sie beständig auf eben demselbigen. Sie bringen wohl eine Stun-de damit zu, ehe sie ihre Pfoten soweit in Bewegung setzen, daß sie einen Schritt weiterrücken. Ihr Geschrey ist sehr durchdringend. Der ganze Unterschied zwischen ihrer, undder gewöhnlichen Affengcstalt besteht darinnen, daß sie ungemcin mager sind, und ebendeswegen einen gräßlichen Anblick machen. Oermelin glaubet, sie müßten mit irgend ei-nem Uebel in den Gelenken, als ctwan mit dem Zipperlein behaftet seyn. Er fing einige,und fütterte sie wacker, dem ungeachtet blieben sie eben so abgefleischt und langsam, als zu-vor. Die jungen sind um kein Haar hurtiger, als die Alten; man haschet sie eben so leichtmit bloßen Händen weg, als jene, ohne daß sie sich auf andere Weise, als mit ihrem Ge-schreye, zu wehren begchretcn t).
Die dasigen Indianer müssen sehr grimmig seyn. Denn ungeachtet man sie nicht imgeringsten beleidiget hatte, so schlichen sie doch unvermerkt hinter den Bäumen herben, drü-cketen ihre Pfeile auf die Freybeuter ab, und schössen einige todt. Nachgehends stäubtensie im Augenblicke auseinander. Oermelin betrachtete hierauf ihre Pfeile. Sie hatten we-der die geringste Spitze von Eisen oder irgend einem andern Metalle, noch auch überhauptdas Ansehen, als ob sie mit Hülfe eines Werkzeuges gemacht würden. Sie waren fünfbis sechs Schuhe lang, so dicke als ein Finger, beugsam und völlig rund. Die Spitze be-stund aus einem ungemein scharfen Feuersteine, der nebst einem hölzernen, wie eine Harpu-ne gestalteten Häkchen, in das Pfeilende selbst eingestoßen war. Um dieses war ein der-maßen
5) Ebend. a.d.L! 4 und folgend. S- /) Ebendaselbst.