Band 
Dreyzehnter Band.
Seite
598
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Beschreib.

vonNekrspa-nien.

Oeffentlichk

Spiele.

598 Reisen und Entdeckungen

Niemand bekam diese Erlaubniß, als alte Personen oder Kranke, doch wurden die Fcyer-und öffentlichen Arbeitstage hiervon ausgenommen; denn da bekam jedweder ein gewissesnach seinem Alter eingerichtetes Maas. Es war unter allen Lastern keines so verhasset, alsdie Trunkenheit. Die Bestrafung eines Trunkenboldes bestund darinnen, daß man ihmvor jedermanns Augen das Haar abschor, und unterdessen, da dieses geschah, sein Hausniederriß, um dadurch anzuzeigen, daß ein Mensch, der die Vernunft verloren habe,nicht werth sey, in der menschlichen Gesellschaft zu leben. Trug der Thäter ein öffentlichesAmt: so wurde es ihm genommen, und er blieb Zeit Lebens abgesehen Allein, weil diesesGesetz nach der Eroberung in Abnahme gerieth: so sind heutiges Tages, nach dem Zeugnisseder Geschichtschreiber, keine ärgere Säufer in ganz America, als die Mericaner.

Unterdessen waren sie vorzeiten ihres mäßigen Lebens ungeachtet dennoch eifrige Lieb-haber vom Tanzen und allerley Spielen. Herrera giebt eine lesenswürdige Beschreibungvon einem bey ihnen üblichen Spiele, das TlactM hieß, unter den Castilianern aber, weiles ihnen zu gefährlich schien, außer Schwang kam. Die Bühne, wo diese Uebung vorge-nommen wurde, war einem Ballhause ähnlich, und das Werkzeug eine Kugel von demHarze eines gewissen in warmen Ländern wachsenden Baumes. Man machet nämlichEinschnitte in diesen Baum, wornach ein weißer dicker Saft herauströpfet, aber sogleichgerinnet, und vom Kneten so schwarz, als Pech, wird. Ungeachtet nun dieser Harzballhart und schwer war, so flog er doch eben so leicht, als ein gewöhnlich aufgeblasener. Manmarquirte bey diesem Spiele nicht wie bey unserm Eallschlagen, sondern es kam nur dar-auf an, den Ball an die Mauer, darnach er geschlagen wurde, zu bringen, und mußte dieGegenpartei) zu verhindern suchen, daß er sie nicht traf. Er wurde bloß mit dem Hin-terbacken oder Hüften geschlagen, und banden sich die Spieler, damit er desto starker ab-springen möchte, ein gewisses stark gespanntes Leder auf denselbigen Ort. Flog der Ball,oder sprang von der Erde auf: so wendeten sie einander, um ihn zurück zu schlagen, beyder-seits den Rücken zu. Zuweilen spielete man ordentliche Parteyen, und setzete etwas ge-wisses auf, zum Beyspiele, Gold, Teppiche, Federarbeit. Die erhaltenen Vortheile wur-den mit Strichen bemerket. Mancher setzete seine eigene Person aufs Spiel. Der Ortdazu war ein Saal auf ebener Erde. Er war hoch, lang, schmal, doch oben breiter, alsunten, auch an den Seiten höher, als an beyden Enden. Die Wände waren sehr glattund mit Kalche getünchet. Auf beyden Seiten lagen einige große den Mühlsteinen sehr ähn-liche, auch in der Mitte durchborete Steine, nur war das Loch nicht weiter, als daß der BallPlatz darinnen hatte. Wer ihn dahinein brachte, welches aber selten geschah, der gewanndas Spiel durch einen außerordentlichen Sieg. Vermöge eines alten Herkommens gehör-ten die Röcke der Zuschauer sein, und dieses gab dem Spiele eine desto größere 'Anmuth,indem jedweder, der einen guten Rock anhatte, Reißaus nahm; der Gewinner hingegen dieFliehenden aus allen Kräften Verfolger. Das Angedenken einer dermaßen wichtigen Be-gebenheit wurde so lange beybehalten, bis es endlich von einer andern ausgelöschet wurde;und wer sie mehr dem blinden Glücke, als seiner Geschicklichkeit, zuzuschreiben Hatte, der mußtedem Götzen des Spielhauses und des Steines eine Gabe bringen. Es stunden allemalzwey geschnitzte Bilder der Spielgottheit auf den beyden niedrigsten Orten der Wände.Man wahlete zu ihrem Aufstellen irgend einen merkwürdigen Tag, und es war diese Ce-remonie mit Gesängen, welche gleichsam eine Einweihung daraus machten, verknüpfet. Eswurde auch wirklich jedwedes Spielhaus eben so in Ehren gehalten, als ein Tempel. Man

bauete