in America. V Buch. X Cap. 599
baute keines ohne Beyseyn der Priester, die es mit gewissen Gebethen einweiheten, und den Beschreib.Ball viermal ins Spiel warfen. Der Grundherr, welcher allemal ein vornehmer Herr vonNcuspa-war, spielete nie, ohne vorher allerley andächtige Ceremonien zu beobachten, und den Göt- ^tern einige Gaben zu bringen. Motezuma sah diesem Spiele ungemein gern zu, und mach-te sich gegen die Spanier groß damit, gleichwie es ihnen denn wirklich eben so große Lusterweckete, als das allerangenehmsts unter allen bey ihnen üblichen immermehr thunkonnte
Noch waren die Mexicaner ungemeine Liebhaber von der Musik. Zwar hatten sie Musik undehedem ziemlich plumpe Instrumente: allein, das Beyspiel ihrer Ueberwinder vermehrete Tänze,dieselbige gar bald mit der Flöte, Schallmeye und Trompete. Ungeachtet ihres gelassenen We-sens liebeten sie doch den Zusammenklang, und kamen öfters in dem großen Hofe vor denSälen des Pallastes zusammen, um ihrem Kaiser, der sich sehr daran vergnügete, mitSingen und Tanzen eine Lust zu machen. Ihre Weise zu tanzen gieng von der Weise derandern Völker gänzlich ab. Nach Tische begonnen sie einen Tanz, den sie LIerotilitzle Netotilitzle.nenncten. Man breitete eine große Estera, das ist, eine sehr zarte Matte hin, und stelletezwo Trommeln darauf, eine kleine, die Tepontttzle hieß, und aus einem bloßen aber un-gemein gut ausgearbeiteten hohlen Klotze bestund, äußerlich nicht das geringste Fell oderPergament, sondern nur alt dem vornehmsten Ende eine Spalte hatte. Man schlug siewie unsere Trommeln, mit Klöppeln; nur waren dieKlöppelknöpfe nicht von Holze, sondernvon Wolle oder einer andern weichen Materie. Die andere Trommel war groß, rund,hohl, und inwendig bemalet. Ueber der Oeffnung war eine wohl gegärbte und stark ge-spannte Haut, die man, nachdem der Ton höher oder niedriger gestimmt werden sollte,entweder anzog, oder nachließ. Man rührte dieses Spiel mit den Händen, es war abereine sehr beschwerliche Sache darum. Nur besagte beyde Instrumente machten nebst denSingestimmen eine ziemlich angenehme Musik; nur kam sie den Castilianern etwas zuschwermüthig vor. Die Gesänge der Mepicaner handelten anfänglich von dem Leben undden Heldenthaten ihrer alten Könige: allmählig aber wurden die Sänger munterer, undmischten allerley lustige Gedichte in gereimten Strophen, die nicht ohne Witz und Anmuthwaren, mit unter. Es tanzte niemand vor dem Kaiser, als die vornehmsten Herren desReiches, weiche sehr kostbar aufgeputzet waren, und Rosensträußer, oder mit Golde durch-wehte Federwindfächer in der Hand hatten. Einige bedeckten ihr Haupt mit einem Adler-oder Tiegerkopfe; andere trugen goldene oder silberne Züge und kostbare Federn auf demrechten Arme oder auf der Schulter. Bey den Stadtlustbarkeiten stieg die Anzahl derTänzer zuweilen auf acht bis zehntausend; und es mischten sich die vornehmsten Herrenohne das geringste Bedenken mit darunter. Anfänglich zog man Gliederweise, acht oder auchnach Beschaffenheit der Menge noch mehr Mann hoch, herum. Hatte dieser ziemlichlangsame Zug mit allerley Abwechselungen der Gestalt eine Zeitlang gedauert: so trennteman die bisherige Ordnung, und tanzte einen Rundtanz, dabey man einander bey denHanden hielt. Nachgehends tanzten einige ganz allein, oder auch Paar und Paar.
Der Tanz bestund in einigen Luftsprüngen und allerley Wechselbewegungen der Hände undFüße. Sodann tanzten zween vornehme Oberhäupter abermals allein, und führten dieübrigen, welche ihnen folgeren, und alle ihre Bewegungen und Schritte nachmachten.
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