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Reifen und Entdeckungen
Lcsclireib. zum Opfern, in den Tempel kam: so gieng er weg; er aß zu ganz anderer Zeit, als manoonNeuspa- pflegcte. Wenn e6 Zeit zu schlafen war, so wachete er, und umgekehrt, er legete sich zunie». Bette, wenn jedermann wachete. War er eingeschlafen, so stach man ihm mit Pfriemen,
' ^ ' und rief ihm zu: „Steh auf! Weist du wohl, daß du für deine Unterthanen sorgen mußt,
„und daß du bey dem Amte, das du trägst, keine Zeit zu schlafen hast?,. Nach dieserbeschwerlichen Vorbereitung wurde ihm zu Ehren ein Schmaus angestellet. Zu diesem En-de zählete man alle seit seiner Geburt verlaufene Tage, und wahlete sodann, weil man allegleiche Tage für unglücklich hält, einen ungleichen zu der Gasierey. Die Gaste wurdenvon den Priestern ernennet. Konnte irgend einer nicht erscheinen: so wurde nichts desto-weniger sein Stuhl an eben die Stelle, die er in Person einnehmen sollte, gesetzet, und derAntheil, den er zu den Speisen beytragen mußte, nebst seinem Geschenke dahin gelegct.Seines Ortes erzeigete der neue Erbe dem Stuhle eben die Höflichkeit, und stattete ebendie Danksagung gegen ihn ab, die er dem Gaste selbst'schuldig war. Sobald die Spei-sen auf der Tafel stunden, gieng man, ohne darnach zu fragen, ob sie unterdessen kaltwurden oder nicht, in den nächsten Tempel. Hier empfing der Erbe die Belehnung allerseiner Gerechtsamen. Nachgehends setzete man sich zu Tische, und beschloß endlich denSchmaus mit Singen und Tanzen. Zu Chiapa mußten die Regenten vorher einige an-dere geringere Aemter durchgehen, ehe sie zum Besitze der Stelle, die ihnen wegen ihrer Ge-burt oder durch Wahl gebührete, gelangeten. In der Landschaft Guatimala, mußte derErbe allemal, er mochte durch Geburks - oder Wahlrecht folgen, gewisse Gebethe und Fa-sten abwarten. Die allerandächtigsten schliefen mit kreuzweise geschränkten Beinen, umsogar auch währendes Schlafes sich abzumatten /). Hinterließ der Verstorbene einen all-zu jungen Erben, so gab man ihm seinen nahesten Anverwandten zum Vormunde. Warin seinem Geschlechte niemand, auf den man soviel Vertrauen setze» konnte, vorhanden: sowähleke man den klügesten unter des Verstorbenen guten Freunden; und es mochte der Erde sovornehm seyn, oder so gute Eigenschaften besitzen, als er immer wollte: so mußte er bis inSAlter von dreyßig Jahren, unter dieser Vormundschaft bleiben m).
Adckiche Or- Es gab in Mexico gewisse Edelleute, welche Herrera mit den OrdenSgebiethigcrn in
den. Castitien vergleicht; das ist, der Landesherr gab ihnen , entweder aus bloßer Gnade, oder
wegen ihrer geleistete!: Dienste, gewisse Güter, die sie nicht länger als aufLebenszeit zu eigenbesaßen. Noch war ein anderer Orden , welcher in der Landessprache die hohe Anvcr-wandtschaft hieß, und aus den jüngsten Brüdern der Ritter vom ersten Orden bestund.Er hatte, den vier ersten Graden der Anverwandtschaft zu Folge, vier Abtheilungen , wel-che ihren Rang nach der geringern oder weitem Entfernung von ihrem Ursprünge abma-ßen. Wer über vier Grade davon entfernet war, der wurde noch zu der vierten Abthei-lung gerechnet. Sie genossen nicht nur das Recht, den Häuptern ihres Geschlechtes, wenndie Reihe an sie kam, zu folgen, sondern es befreyeke sie auch ihr Adelstand von allenSteuern. Sie wurden meistens unter den KriegeSvölkern gebrauchet, auch wahlete mandie Abgesandten, die Beamten der Gerichtskammern , ja überhaupt alle Bedienten desStaates aus ihrem Mittel. Die Geschlechtshäupter mußten für ihre Wohnung und Un-terhaltung sorgen.
- Herrera z Der. 4 B. rz C.
Jedweder