58 Dom Gregor Tarisse.
fält und durch die Unverdrossenheit seines Verwesers.Dieser treue Haushalter brachte die Urkunden undBriefschaften des Hauses in Ordnung, machte genaueEntwürfe von allem, was zur Erhaltung des Gutesund der Gefalle der Herrschaft in acht zu nehmen war.Da er ein guter Soldat gewesen war, so zeigte er,daß er eben so wohl geschickt sey zu den ritterlichen Ue,düngen. Er lernte mit den Kindern des Schloßvoigkseinerley Uebungen, und bewies, daß sein Herz und sei«ne Neigungen über seine Geburt erhaben waren.
Mitten unter seinen Beschäftigungen begab er sichin die Einsamkeit, um GOtt insgeheim anzubeten,geistliche Bücher zu lesen und seinen Leib durch ver,schiedene Kasteyungen zu züchtigen. Machte er sich jaeinigen Zeitvertreib, so bestand er in Lesung der Le.benöbeschreibungen großer Männer und französischerDichter. Er selbst machte ziemlich gute Verse undließ sie durch die Kinder declamiren. Es war nunZeit, daß er ein beständiges Geschäfte wählte, beydem er seinem Vater beybringen könnte, dessen Alterseine Gegenwart heischte. Er bat bey dem Schloßvoigtum Urlaub, welcher seine Bitte für billig erkannte,und ihm versprach aus Erkenntlichkeit ihm zu Erkau-fung zu einer für ihn schicklichen Bedienung beförderlichzu seyn.
Tarisse kaufte ohngefähr in seinem drey undzwanzigsten Jahr die Stelle eines königlichen Notars.Zu gleicher Zeit nöthigte ihn der Stadtrichtcr, denStadtschreiberdienst anzunehmen. Er versah seinebeyden Aemter rühmlich und mit vollkommner Unei-gennüHigkeit. Ob er schon nicht reich war, so wardoch das, was er hatte, so bald nicht mehr sein, so baldals er die Armen damit erquicken konnte. Man sahihn mehrmalen sich entkleiden, um die Glieder Christidamit zu bedecken. Nie wies er sie ab, wenn er ihnen
Gutes