74 Dom Gregor Tariffe.
wie eifrig sie sich in Beobachtung der Regeln bezeigten.Bey dieftr Untersuchung verhielt er sich so heilig , undgab solche glänzende Merkmale der Tugend von sich,daß er von allen Ordensleuken geliebt und bewundertwurde. Seiner Beschäftigungen ohnerachter, sah ersals seine erste Pflicht an, bey Nacht und Tag demGottesdienste beyzuwohnen, und alle Uebungen derKiosterzucht, denen er sich nie ohne eine unumgänglicheNothwendigkeit entzog, zu beobachten. Er sah mitVergnügen, daß die Congregakion den größten Eiferzeigte; daß die Strenge, die Einsamkeit, das Gebetdes Herzens , der Gebrauch der göttlichen Sakramen«te, das Stillschweigen, die Sanftmuth, die Einig«keit, die Mäßigkeit, das Fasten, die Arbeit und dasStudiren sie achtungswerth machte; daß die obernGerichtshöfe und die StaatSräthe sie beschützten; daßdie außerordentlichen Aebte und alten Ordensleutesolche an vielen Orten inständig verlangten, indem sieihre Beschaffenheit nach dem guten Geruch schätzten,den sie ausbreitete.
Bey den Streithändeln, welche unvermeidlich sind,suchte er alle mögliche Mittel zum gütlichen Vergleichauf, und brachte nie etwas vor, das die Partheyen hättebeleidigen können. Er wollte vor allen Dingen dieProcesse vermieden wissen, weil eö sehr j schwer hält,daß die Gemüther dabey nicht erbittert, und daß beyverminderter Liebe GOtt nicht beleidiget werden sollte.Er sagte, der Orden sey durch Geben und Nachlas«sung von seinen Rechten reicher, durch allzu starkesAnhängen aber an den zeitlichen Gütern verdorben undzu Grunde gerichtet worden. Sein Geschmack anden Wissenschaften erweckte in ihm eine starke Neigungfür die Büchersammlungen. Er verlangte, daß dieSuperioren auf Anschaffung guter Bücher bedacht seynsollte« , um den Ordensleuten Mittel zu verschaffen,sich in ihrer Einsamkeit die Zeit zu vertreiben.