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Chronologischer Auszug der Geschichte von Frankreich : worinnen nicht nur dieselbe vom Ursprung der Monarchie an abgehandelt, sondern auch das Merkwürdige von andern Völkerschaften erzehlet wird / Aus dem Französischen des Herrn Präsidenten von Hainault, übersetzt, von Carl Friedrich Tröltsch
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Geschichte von Frankreich/

Denkwürdige Begebenheiten unter dem H. Ludewig.

theile tapfer. Es war nöthig, daß wichtige Gegenstände, die Gerechtig-keit, oder Liebe vor sein Volk, sein Gemüthe in Bewegung brachten; anstserdem schien er schwach, einfältig und schüchtern zu seyn. Jenes warUrsache, daß er die grösten Proben des Muthes ablegte, wenn er die Re-bellen bestritte, oder die Feinde seines Staates und die Ungläubigen; eswar die Ursach, daß er, seiner Frömmigkeit ohngeacht, den Pabften undBischöffen widerstand, wenn er befürchten konnte ^ daß ihre Unternehmun-gen Unruhen in seinem Königreiche erregen möchten; es war die Ursach,daß er über die Rechtspflege mit einer bewundernswürdigen Ordnungso bald er aber sich selbst wieder überlassen, und nur als eine Privatpersonanzusehen war, alsdann wurden seine Bedienten seine Herren, alsdann nahmer von seiner Mutter Befehle an, und brachte seine Stunden mit den Uebun-gen der einfältigsten Andacht zu. Aber in Wahrheit, alle diese Uebungenwurden durch die gründlichen und ununterbrochenen Tugenden geadelt, wel-che seinen Character bildeten.

Ioinville schreibet dem Graven von Montsort diese Probe eines grc-sen Glaubens zu, daß er, wie er unter den Albigensern gewesen, sich ge-weigert habe, die H. Hostie, welche in den Leib unsers Heilandes sichtbarverwandelt worden war, in Augenschein zu nehmen, und solches will Join-ville vom Könige selbst gehöret haben; unterdessen saget dü (Lange in denAnmerkungen über den IoinviÜe, daß Johann Villani, im VI. B.und Z. Eap. dieses dem H. Ludewig selbst, und nicht dem Graven vonMont-ford zuschreibet.

Als der H. Ludewig im Begrif gestanden, sich zum sten Kreuzzug zuSchiffe zu begeben, lies er alle Baronen seines Königreichs nach Paris kom-men , und eidlich angeloben, daß sie, wo er in seiner Reise übers Meer ster-ben würde, seine Kinder vor seine Nachfolger erkennen wollen. Isinvil-le, welcher gewiß dem König sehr zugethan war, wurde, wie die andernberufen, „was aber mich anlanget, sagt er, so wollte ihm, weil ich nicht„sein Unterthan war, keinen Eid, schwören, es war auch meine Absicht„ nicht, auszuhalten.,, Worüber du (Lange in s. XUI. und XI V. Abhandl.gründlich angemerket, daß dieses vermög des Lehenrechtes geschehen , wel-ches den Afterlehenleuten verböthe, ihrer Lehne halben, weder einen Eid,noch andere Pflicht, dem Obristlehenherrn abzulegen, indem sie nur ihren

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