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Chronologischer Auszug der Geschichte von Frankreich : worinnen nicht nur dieselbe vom Ursprung der Monarchie an abgehandelt, sondern auch das Merkwürdige von andern Völkerschaften erzehlet wird / Aus dem Französischen des Herrn Präsidenten von Hainault, übersetzt, von Carl Friedrich Tröltsch
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r48 Geschichte von Frankreich,

Denkwürdige Begebenheiten unter Carln V.

einer eigenen Verordnung am Tage seines Todes einen Theil der gemachtenAuflagen.

Carl der V. hat unter vielen Lobsprüchen einen verdienet/ welcher allenKönigen zur Lehre dienen soll; daß nemlich niemals ein Prinz so gerne gu-ten Rath angehöret / und sich weniger beherrschen lassen. Eduard sagte/eswäre kein König/ der sich so wenig zum Kriege rüstete / und ihm doch s»viel zu schaffen machte." Und Tillet lobet ihn damit/ daß er niemalseinen Harnisch / noch andere Kriegskleidung getragen." Nun ist er zwarniemals an der Spitze seiner Armeen gesehen worden/ welche er dein Tonne-tadle Guesclin anvertraute; seine seltene Klugheit aber machte die Un-glücksfälle , welche Frankreich unter Johanns Regierung mitgenommen har-ten / wieder gut. Durch selbige nahm er/ ohne aus seinem Cabinet zu kom-men / den Engellandern fast all dasjenige wieder ab / was sein Vatter undGrosvatter, ohngeachtet ihrer Herzhaftigkeit und vieler Beschwerlichkeiten,indem sie in Person den Schlachten beywohnten/ verlohren hatten, und derRuhm dieser Regierung ist/ daß unter derselben zu gleicher Zeit der klügsteFürst, und der geschickteste General gelebec haben. Hiebey kan ich eine schö-ne Antwort dieses Prinzen nicht unangeführt lassen; es ward jemand überdie Ehrensbezeugung/ die er den Gelehrten/ so man damals Clercs hieß, anthat,ungehalten, diesem gab er zur Antwort,man kan die Gelehrten oder die,Meisheit nicht genug ehren, und so lange als die Weisheit in diesemKönigreiche wird geehret seyn, wird es ihm wohl ergehen, wenn man aberselbige nicht achtet, wird es in Verfall kommen." '(Christinn von pisan.)Nach Froistarrs Bericht, hat man von diesem Prinzen in dem Treffen zuPoitiers nicht allzuvortheilhaft geurtheilet, woran sein Hofmeister Schuldgewesen, welcher ihn mit seinen zwey Brüdern zu Anfang der Schlachtdaraus wegbringen ließ. ..Carl, Ludewig und Johann, saget derselbe. Kö-nigliche Französische Prinzen, waren jung an Jähren und Verstand; wannsie fähig gewesen wären, hätte man die Sachen wieder herstellen ^können,es wollte aber keiner von ihnen die Regierung des Königreiches überneh-men." Wie hat doch Froissrrr, dessen Geschichte erst mit dem Jahr 1400.aufhöret, seiner eigenen Ehre wegen, ein so übereiltes und ungerechtes Urtheilnicht widerrufen, und sich mit der ganzen Nation über das erhabene und er-kannte Verdienst dieses grosen Königes vereinigen mögen ?

Das