dritte Königliche Linie.
Denkwürdige Begebenheiten unter Carln V.
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Das Seewesen wurde nach Carls des gresen Absterben in Frankreichfast ganz ausser Acht gelassen. Von dessen Regierung an hatten die kleinenHerren ihre sogenannte parrimonialadmirale; dasselbige kam wiederunter dem H. Ludewig empor , welcher der erste von unsern Königen gewe-sen, der einen Oberstenbedienten mit dem Titel eines Admirals gehabt.Unter Carln V. machte der Krieg mit Engelland durch die Bemühungenseines Admirals, Johannes de Vienne, Herrns von Rollans , das See-wesen ansehnlicher. Dieser Admiral sagte, daß die Engellander nie schwa-cher, als in ihren Landen waren. Die folgenden Regierungen liefen dasSeewesen und die Handlung ebenfalls liegen, und an letztere wurde gar nichtgedacht. Beedes aber kam unter dem Cardinal von Richelieu wieder in ei-nen ansehnlichen Zustand, und wurde unter Ludewigs XIV. Regierung vomHerrn Cölbert, und dessen Sohn, dem Herrn von Seignelai auf den höch-sten Grad in Aufnahme gebracht.
Man kan Carln V. vor den wahren Stifter der Königlichen Biblio-thcck ansehen. Dieser Prinz laß gerne, und man machte ihm mit Büchernein angenehmes Geschenke. Er brachte davon eine Sammlung von unge-fehr 5>Oo. Starken zusammen, welches zu einer Zeit, da die Druckereynoch nicht erfunden war, und vor einen Herrn, dem König Johann, seinVattcr, höchstens zwanzig Bande hinterlassen hatte, eine beträchtlicheZahl gewesen. Carls V. Büchersammlung bestünde aus Geistlichen,Astrologischen, Medicinischen, Juristischen, und Historischen Büchern,auch aus Romanen. Von den guten Zeiten waren wenige Schriftstellerdarunter, nickt ein einziges Exemplar von den Werken des Cicero, undkeine andere Lateinische Dichter, alsOvid, Lucan, und Boetius; inglei-chen hatte er einige Französische Uebersetzungen verschiedener Schriftsteller,als des T. Livius, Valerius Marimus, das Buch, c!e Lnilwte Del, dieBibel re. Carl ließ sie m einem von den Thürmen des Louvre aufstellen,den man den Bücherrhurm nannte. 'Aus diesem geringen Allfangeist die Königliche Bibliotheck entstanden, deren nachmaligen Ruhm undGröse man damals schwerlich hatte voraus sehen können. Selbige wur-de von Ludewig XII. und Franz I. nach Masgabe des Wachsthums derWissenschaften und Liebhaber derselben unter dem Schutze dieser Herrn,ansehnlich vermehret. Vornehmlich aber ist solche unter den Regierun-gen Ludewigs XIV. und Ludewigs XV. zu demjenigen Grad der Prachtund llnermeßlichkeit gestiegen, wodurch sie heutiges Tages, die reich-ste und kostbarste Büchersanunlung auf Erden geworden.
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