dritte Königliche Linie. 591
Denkwürdige Begebenheiten unter Carln IX.
Als ihm Villeroi mehrmalen zur Zeit, da er zum Ballspiele gehen wollte,Briefschaften zum Unterschreiben vorlegte, sagte er zu ihm, „unterschrei-ben sie mein Vatter vor mich; gut, gnädigster Herr, erwiederte Villeroi,„weil sie es mir befehlen, so werde ich unterschreiben." Branrome, daer von der alten Zeit redete, sagte, daß ehemals die jungen Leute das Kriegs-handwerk lernen wollten, und lange Zeit Unterofficiers geblieben waren,-'.heutiges Tages, seht er hinzu, ist es nicht mehr also , denn so bald nur»der Jüngling anfanget die Waffen zu führen, muß er entweder die leichte»Reuterey, die Gendarmerie, oder das Fusvolk anführen, ohne daß er zu„gehorsamen gelernet hatte." Le Laboureur drücket diesen Gedankenüber den Eastelnau mehr aus; „damals gelangte man nicht so geschwinde„zu denen Kriegswürden; der Ehrgeiz hatte seine Grenzen, aber die Tapfer-keit hatte keine, und der Ruhm war ihr gründlichster Lohn. Diese Mäs-„sigung erhielte dem Staat die besten 'und erfahrensten Kriegshelden„bey den «einrichtn Stellen, anstatt daß heut zu Tage vor einem Edelmann,„der in fünf oder sechs Feldzügen sich ein bischen hervorgethan hat, keine„Stelle mehr groß genug ist. Zu jener Zeit bestund aller Ehrgeiz der„Prinzen, und der größten und tapfersten Leute bey Hof darum, ftinfzig,„oder höchstens hundert bewafnete Männer anzuführen. An dem Tage ei-„ner Schlacht sahe man die weißen Bärte über die Kürasse der meisten Of-„ficiers herabhangen, so ein Zeichen ihrer langen Dienste war. Aber der-malen würde man gleichsam als eine Schande unter einem gefärbten Haa-„re und unter der Parücke eines jungen Menschen dieses Ehrenzeichen ver-bergen , und sich schämen, wenn man nicht von einer Stelle befördert wür-„de, ehe man das Alter und die Verdienste dazu hat." Die Ursache ist,weil die Menschen nur erhoben werden, und sich nicht um die wahreGrösse bekümmern wollen.
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